Marktkompass KW 26/2026

Kurzfazit der Woche

Die Halbleiter-Rally hat den Nasdaq beflügelt und den S&P 500 trotz anhaltender Inflationssorgen im überhitzten Bereich gehalten. Während der starke US-Dollar die Rohstoffe und Edelmetalle spürbar unter Druck setzt, bleibt Bitcoin stabil oberhalb der psychologischen Schlüsselmarke. Nach dem Auftritt von Kevin Warsh haben sich die Zinserwartungen verändert.

S&P 500, finviz.com, KW 25, Halbleiterbereich extrem stark, Energie und Gesundheit besonders belastet.

Markttreiber der Woche

1. Halbleiter-Rally dominiert den Markt: Intel (+14,56 %), Micron (+13,87 %), Qualcomm (+11,41 %) und AMD (+10,02 %) waren die absoluten Taktgeber der vergangenen Woche. Dieser Sektor zieht den Nasdaq um +1,78 % nach oben. Der KI- und Chip-Zyklus ist nach wie vor die stärkste Triebfeder des Marktes.

2. US-Dollar-Stärke belastet globale Assets: Der Dollar Index legt um +1,28 % zu, was sämtliche Hauptwährungen massiv ins Minus drückt (GBP -1,49 %, CHF -1,48 %, NZD -1,69 %). Diese Dynamik signalisiert starke globale Kapitalzuflüsse in den US-Raum, gleichzeitig wird Gegenwind für Nicht-Dollar-Anlagen aufgebaut.

3. Ölpreissturz setzt Energiesektor unter Druck: WTI bricht um über 7 % ein und drückt Schwergewichte wie ExxonMobil (-6,00 %) und Chevron (-6,56 %) nach unten. Was den Energiesektor belastet, ist strukturell jedoch eine spürbare Entlastung für die allgemeinen Inflationserwartungen der Konsumenten.

4. Edelmetalle & Rohstoffe tiefer: Gold (-1,78 %), Silber (-4,87 %) und Kupfer (-1,75 %) geben nach. Die Kombination aus einem extrem starken US-Dollar und dem vorherrschenden Risk-on-Modus bei Tech-Aktien lässt Absicherungs-Assets und Industriemetalle kurzfristig pausieren.

5. Nikkei-Ausreißer führt globale Aktienrally an: Japan explodiert förmlich mit einem Plus von +7,08 % im Nikkei 225. Auch Europa zeigt sich fest (Euro Stoxx +1,86 %, DAX +1,53 %) im Vergleich zum Schlusskurs KW24, wodurch die globale Aktienrally trotz makroökonomischer Fragezeichen auf breiterer Ebene untermauert wird.

KW25: USD zieht an, Nikkei explodiert, Öl bricht gibt stark ab.

Marktphase

Der S&P 500 notiert weiterhin oberhalb seines langfristigen Trendkanals. Aus diesem Grund befindet sich die Marktphase nach wie vor im überhitzten Aufwärtstrend.

Die Marktbreite liefert mit 61 % der Aktien oberhalb ihrer 200-Tage-Linie ein solides Fundament, was zeigt, dass die Rally nicht mehr nur von einer Handvoll Giganten getragen wird. Da der Kurs jedoch den Trendkanal nach oben verlassen hat, bleibt die Überhitzung bestehen, bis eine tiefergehende Konsolidierung eine echte Normalisierung herbeiführt.

KW 25, S&P 500, Kurs weiterhin über Trendkanal
Marktphase
Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend
Stand: 2026-06-21

Liquidität & Geldpolitik

  • Zentralbankbilanz Fed: 6,736 Bio. USD (17.06.) – gestiegen
  • Z-Score-Kombi: +0,466 – positiv, stabiles Niveau
  • Nächste Fed-Sitzung ( 29.07.) : 58,3 % Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen / 41,7 % für eine Zinserhöhung

Die Liquiditätsdynamik der Fed bleibt konstruktiv. Die Zentralbankbilanz ist zum Stichtag 17.06. weiter moderat auf 6,736 Billionen USD angestiegen, und der Z-Score-Kombi hält sich mit +0,466 auf einem freundlichen Niveau. Von dieser Seite fließt dem Markt weiterhin ausreichend Stabilität zu.

Die geldpolitische Stimmung ist jedoch merklich neutraler geworden. Bei der Fed-Sitzung am 17. Juni gab es wie erwartet keine Zinsanpassung (3,75 %). Allerdings hat Kevin Warsh klargestellt, dass die Preisstabilität oberste Priorität hat. Der Markt preist nun eine reale Chance (41,7 %) für eine Zinserhöhung in diesem Jahr ein. Die langfristige Projektion wurde mit 3,1 % beziffert, was dem Markt signalisiert, dass das Hochzinsumfeld uns länger erhalten bleibt. Der Anleihenmarkt hat auf das sich verändernde Umfeld reagiert und bei den kurzfristigen Anleihen die neue Zinserwartung eingepreist. (Rendite und Spread stark gefallen).

Makroökonomie

Der Inflationsdruck bleibt weiter hoch und lässt der Fed wenig Spielraum.

Arbeitsmarkt:

  • Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 226.000 (13.06.) (4-Wochen-Vergleich: +0,03 %)
  • Beschäftigung MoM: +0,11 % – stabiles Umfeld
  • Beschäftigung YoY: +0,32 % – unsichere Übergangsphase

Der Arbeitsmarkt präsentiert sich weiterhin robust. Das Beschäftigungswachstum von +0,11 % im Monatsvergleich stützt das Szenario einer stabilen Wirtschaft, lässt aber im Jahresvergleich noch Raum für Interpretation, ob wir uns in einer dauerhaften Konsolidierung befinden.

Marktstimmung

  • VIX: 16,78 – leichte Unsicherheit
  • Put/Call-Ratio: 2,09 – Extreme Angst (AZKC)
  • Fear & Greed Index: 37 – Hold (Fear)

Hier zeigt sich ein intressantes Divergenzbild: Während der Volatilitätsindex VIX mit 16,78 eine relative gelassene Marktstimmung signalisiert, schlägt die Put/Call-Ratio mit einem Wert von 2,09 absolut Alarm. Ein solch extrem hoher Wert zeigt eine massive Absicherungswelle der Marktteilnehmer mittels Put-Optionen. Und auch der Fear & Greed Index verharrt mit 37 Punkten im Angstbereich.

Historisch betrachtet ist eine derart ausgeprägte Skepsis und Absicherung bei gleichzeitig steigenden Kursen jedoch kein bärisches Zeichen, sondern steht von der Wahrscheinlichkeit her eher für Kurse, die noch weiter klettern können.

Rohstoffe

Gold: -1,78 %
Öl: Stark rückläufig
Kupfer: -1,75 %

Der Rohstoffsektor spiegelt die massive Stärke des US-Dollars wider. Der Ölpreis befindet sich im freien Fall und hat auf Sicht von vier Wochen über 17 % eingebüßt. Das belastet zwar die Energieaktien, nimmt aber massiven Inflationsdruck.

Angestrebte Währungsstabilität und höhere Zinsen sprechen für positive Realzinsen, was Gold belastet.

Technische Indikatoren

  • 50/200-Tage MA (S&P 500): Differenz 413,00 – Aufwärtstrend intakt
  • 50/200-Tage %-Divergenz: +5,51 % – stabiler Aufwärtstrend
  • Kurs / 200-Tage: +7,97 % – Aufwärtstrend, Vorsicht geboten
  • Kurs / 50-Tage: +2,47 % – Aufwärtstrend intakt
  • RSI: 45,94 – neutral
  • Wilder RSI: 42,45 – leicht überverkauft
  • Wochenvolumen-Index (5/20): 1,20 – starkes Volumen

Die technische Struktur des S&P 500 ist weiterhin bullisch zu werten. Die Divergenz zwischen der 50- und 200-Tage-Linie hat sich auf +5,51 % ausgeweitet. Dass der Kurs fast 8 % über seiner 200-Tage-Linie notiert, mahnt zwar zur strukturellen Vorsicht, wird aber durch die Oszillatoren (RSI) kurzfristig entschärft.

Der RSI ist absolut neutral und der Wilder-RSI deutet mit 42,45 sogar auf einen leicht überverkauften Zustand hin. Zusammen mit dem starken Wochenvolumen (1,20) zeigt sich, dass die Aufwärtsbewegung durch hohe Handelsaktivität institutionell gestützt wird.

Bitcoin

Bitcoin notiert aktuell bei rund 63.000 Euro. Die wichtige psychologische und technische Marke von 60.000 Euro konnte in der vergangenen Kalenderwoche 25 trotz zwischenzeitlicher Belastungen nicht dauerhaft unterschritten werden.

Solange diese Unterstützung verteidigt wird, bleibt das technische Bild konstruktiv.

Ausblick

In der kommenden Kalenderwoche 26 liegt der Fokus der Marktteilnehmer in den USA vor allem auf zwei Kernbereichen:

Dienstag, 23.06.2026:
Veröffentlichung des S&P Global Services PMI sowie des S&P Global Manufacturing PMI. Diese Einkaufsmanagerindizes geben Aufschluss darüber, wie stark die US-Wirtschaft die restriktiven Töne der Fed verkraftet.

Donnerstag, 25.06.2026:
Die Kernrate des PCE-Preisindexes (Jahr) wird veröffentlicht. Als bevorzugtes Inflationsmaß der US-Notenbank wird dieser Datensatz die künftige Zinserwartung und die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im Spommer massiv beeinflussen.

Fazit

Der Markt wird dank des Halbleiter-Sektors weiterhin getrieben, weshalb wir uns unverändert in einem überhitzten Aufwärtstrend oberhalb des langfristigen Trendkanals befinden. Die fundamentale Unterstützung durch eine gestiegene Marktbreite und eine solide Fed-Liquidität ist vorhanden, wird jedoch von einer extrem skeptischen Stimmung (Put/Call-Ratio) und anhaltend hohen Inflationsdaten begleitet.

Das größte Risiko bleibt die restriktive Haltung der Fed unter Kevin Warsh. Sollten die PCE-Daten am Donnerstag heißer als erwartet reinkommen, könnte eine Zinserhöhung im Juli wahrscheinlicher Machen und die Überhitzung des Marktes auf die Probe stellen.

Grundlage für diesen Bericht ist mein automatisiertes Auswertungssystem, welches ich auf YouTube genauer erkläre.