Marktkompass KW 34/2026
Kurzfazit der Woche
Der überhitzte Aufwärtstrend hat sich in KW 33 fortgesetzt – RSI und Wilder-RSI rutschen mit über 75 tiefer ins überkaufte Terrain, während eine Speicherchip-Rallye rund um SanDisk den Markt trägt. Gegenläufig sorgten schwache Retail Sales (-0,6 % statt +0,1 %) und ein enttäuschender Michigan-Index für erste Risse im Konsumbild.

Markttreiber der Woche
- SanDisk-Investorentag entfacht Speicher-Rallye
SanDisk (+35 %) legte auf seinem Investorentag ein Finanzmodell mit rund 80 % Bruttomarge bis 2030 und neuen Großkundenverträgen über 93,9 Mrd. USD vor. Micron (+10,7 %), Western Digital (+17,2 %) und Seagate (+19,8 %) profitierten im Windschatten. - Broadcom fällt unter Finanzierungsbedenken
AVGO (-8,1 %) rutschte nach einer Herabstufung durch Bank of America wegen Kreditrisiken rund um die KI-Finanzierungsplattform XPV (u. a. für Anthropic) deutlich herab. - Nahost-Eskalation treibt Energiepreise
Anhaltende Spannungen zwischen USA/Iran (Angriffe auf ADNOC-Tanker, ukrainische Schläge auf russische Raffinerien) ließen WTI (+5,4 %) und Brent (+5,95 %) kräftig steigen. Heizöl (+9,75 %) und Benzin (+6,66 %) zogen mit, entsprechend liefen Energiewerte wie CVX (+7,2 %) und XOM (+4,6 %) stark. - Getreide-Rally auf breiter Front
Corn (+4,56 %), Wheat (+5,47 %), Oats (+4,18 %) und Soybeans (+1,62 %) legten deutlich zu – Angebotssorgen und Nachfrageerwartungen trieben die Agrarrohstoffe parallel zur Energie-Rallye nach oben. - VIX-Einbruch trotz gemischter Tech-Werte
Der VIX fiel im Wochenverlauf um 8,43 %, während Nasdaq 100 (+1,03 %) und S&P 500 (+0,33 %) moderate Gewinne verbuchten. Gleichzeitig belasteten in KW33 schwächere Schwergewichte wie Amazon (-4,3 %), Google (-2,37 %) und Apple (-2,36 %) die Rally.

Marktphase
Kurs/50-Tage %-Div (S&P 500): +3,51 % – Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div (S&P 500): +9,13 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
50/200-Tage %-Div: +5,62 % – stabiler Aufwärtstrend
RSI: 75,30 – überkauft
Wilder-RSI: 76,61 – überkauft
Marktbreite (% über 200 MA): 74,4 % – Aufwärtstrend
Trendkanal: Kurs oberhalb
Der Trend hat sich gegenüber KW 32 nochmals verschärft: RSI und Wilder-RSI sind erstmals klar in den überkauften Bereich über 75 gerückt, statt nur „leicht überkauft“ zu sein. Die Kurs/200-Tage-Divergenz bleibt mit über 9 % erhöht, die Marktbreite von 74,4 % über der 200-Tage-Linie bestätigt aber weiterhin die fundamentale Tragfähigkeit der Rally.
Stand: 2026-08-15
Liquidität & Geldpolitik
Die Fed-Bilanz stieg in der vergangenen Woche um 0,17 % auf 6.759.955 Mio. USD, der Z-Score-Kombi kletterte weiter von 0,68 auf 0,80 – die Liquiditätsdynamik nimmt spürbar zu. Der 10Y/2Y-Spread liegt bei 0,51 (gesunder Zinsmarkt), die Wochenveränderung von +8,52 % bestätigt die leicht bullische Tendenz am Anleihemarkt.
FedWatch zeigt für die Sitzung am 16.09. aktuell 66,9 % Wahrscheinlichkeit für eine Zinspause gegenüber 33,1 % für eine Erhöhung – gegenüber der Vorwoche (55,6 % / 44,4 %) hat sich der Markt damit klar in Richtung „Zinsen bleiben“ bewegt.
Makroökonomie
Beschäftigung MoM: -1,45 % – antizyklisches Signal (AZKC)
Beschäftigung YoY: +19,93 % – unsichere Übergangsphase
Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 209.000, 4-Wochen-Trend +5,03 % – Arbeitsmarkt neutral
CPI YoY: 3,30 % – Inflationsrisiko
PPI YoY: 8,14 % – Inflationsrisiko
Der Verbraucherpreisindex vom Mittwoch kam exakt wie erwartet herein und sorgte damit für keine neuen Impulse. Der eigentliche Schock kam am Freitag: Die Retail Sales fielen mit -0,6 % deutlich negativ aus (Prognose: +0,1 %, Vormonat: +0,2 %), und der Michigan Consumer Sentiment Index sackte auf 51 Punkte ab (Prognose: 54,5, Vormonat: 55,2). Der Konsum – die tragende Säule der US-Wirtschaft – zeigt damit erstmals seit Wochen klare Ermüdungserscheinungen, während die Erzeugerpreise auf Jahressicht mit 8,14 % weiterhin hoch bleiben. Diese Kombination aus schwächelndem Konsum und hartnäckiger Inflation hält die Fed weiter in der Zwickmühle.
Marktstimmung
VIX: 14,25 – ruhiger Markt
Put/Call-Ratio: 1,23 – neutral
Fear & Greed Index: 65 – Vorsicht (Greed)
Die Stimmung hat sich gegenüber KW 32 leicht entspannt: Die Put/Call-Ratio ist von 1,56 (Angst) auf 1,23 (neutral) zurückgegangen, die Absicherungsaktivität lässt also nach. Der Fear-&-Greed-Index bleibt mit 65 im Greed-Bereich, in Kombination mit dem überkauften RSI bleibt Vorsicht angebracht.
Rohstoffe
Gold: 4.368,57 USD, +0,77 % (5 Tage) – neutral
Öl : WTI (+5,4 %) und Brent (+5,95 %) stark steigend
Kupfer: leichter Aufwärtstrend
Der Ölpreis ist in KW32 wieder deutlich angezogen – die Nahost-Eskalation stützt die Wochenpreise (WTI +5,4 %, Brent +5,95 % laut Futures) – und ist damit inflationstreibend . Kupfer konsolidiert auf sehr hohem Niveau, was für industrielle Nachfrage, wie z.B. KI-Rechenzentren, spricht. Gold bewegt sich nach der starken Vorwochen-Rally nun in ruhigerem Fahrwasser.
Technische Indikatoren
50/200-Tage MA (S&P 500): 437,49 – Aufwärtstrend
50/200-Tage %-Div: +5,62 % – stabiler Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div: +9,13 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
Kurs/50-Tage %-Div: +3,51 % – Aufwärtstrend
RSI: 75,30 – überkauft
Wilder-RSI: 76,61 – überkauft
Wochenvolumen-Index (5/20): 0,75 – schwaches Volumen
Trendkanal: Kurs oberhalb
Das technische Bild bleibt bullisch, aber die Überhitzung nimmt zu: RSI und Wilder-RSI sind erstmals seit Wochen klar überkauft, während das schwache Wochenvolumen (0,75) darauf hindeutet, dass die jüngste Rally nicht von breiter Handelsaktivität getragen wird. Diese Divergenz zwischen Kursstärke und Volumen ist ein Warnsignal, das in den kommenden Wochen beobachtet werden sollte.
Bitcoin
Bitcoin notiert bei rund 63.000 USD und bewegt sich weiterhin in einer parallelen Seitwärtsbewegung, tendenziell leicht schwächer gegenüber der Vorwoche. Weder die Aktienmarkt-Rally noch die Rohstoffstärke haben bislang einen Ausbruch aus der etablierten Range ausgelöst.
Ausblick
KW 34 steht im Zeichen der Fed-Kommunikation: Am Mittwoch (19.08.) wird das FOMC-Protokoll veröffentlicht und dürfte angesichts der gestiegenen Zinspause-Wahrscheinlichkeit (66,9 %) genau auf Formulierungen zur weiteren Zinspolitik betrachtet werden. Am Freitag (21.08.) folgen die S&P Global Einkaufsmanagerindizes für Dienstleistungen und Industrie, die nach den enttäuschenden Retail-Sales-Daten zusätzliches Gewicht bekommen.
Fazit
Der überhitzte Aufwärtstrend hat sich in KW 33 fortgesetzt, getragen von der Speicherchip-Rallye um SanDisk sowie steigenden Energie- und Agrarpreisen im Zuge der Nahost-Eskalation. Gleichzeitig verdichten sich die Warnsignale: RSI und Wilder-RSI sind klar überkauft, das Handelsvolumen bleibt schwach, und mit den schwachen Retail-Sales- und Konsumklimadaten zeigt sich erstmals eine echte Bremsspur beim US-Konsumenten. Das FOMC-Protokoll am Mittwoch dürfte in KW 34 zeigen, wie ernst die Fed diese Signale nimmt.
Grundlage für diesen Bericht ist mein automatisiertes Auswertungssystem, welches ich auf YouTube genauer erkläre.