Marktkompass KW 35/2026
Kurzfazit der Woche
Der überhitzte Aufwärtstrend ist in KW 34 in eine Konsolidierung auf hohem Niveau übergegangen. Während der S&P 500 (-1,46 %) und der Nasdaq 100 (-2,50 %) insbesondere durch die Schwäche der KI- und Halbleiterwerte belastet wurden, sorgten steigende Rohstoffpreise, Gold (+5,50 %) und ein kräftiger Bitcoin-Ausbruch für deutliche Bewegungen abseits des klassischen Aktienmarktes.

Markttreiber der Woche
- US-Finanzministerium greift in den Anleihemarkt ein
Das US-Finanzministerium kündigte an, die Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen deutlich auszuweiten. Ab September sollen die Rückkäufe im Bereich von 10 bis 30 Jahren von bisher maximal 2 Mrd. USD auf mindestens 4 Mrd. USD je Operation steigen. Damit versucht das Finanzministerium, die Liquidität am langen Ende des Anleihemarktes zu verbessern und den Druck auf die langfristigen Renditen zu reduzieren. Nach einem deutlichen Rückgang der Renditen nach der Ankündigung stiegen die langfristigen Renditen anschließend wieder an. Der Anleihemarkt bleibt damit ein zentraler Risikofaktor für Aktien, besonders für hoch bewertete Wachstumswerte. - KI- und Halbleiterwerte geraten unter Druck
Die Schwäche im Technologiesektor setzte sich fort. Der Nasdaq 100 verlor 2,50 %, der S&P 500 1,46 %. Besonders stark unter Druck standen die Halbleiterwerte: Nvidia verlor 4,64 %, Broadcom 6,24 %, AMD 8,00 % und Intel sogar 12,13 %. - Fed zwischen Inflation und Konjunktur
Das FOMC-Protokoll vom Mittwoch bestätigte die schwierige Lage der US-Notenbank. Die Inflation liegt mit 3,30 % weiterhin deutlich über dem 2-%-Ziel, gleichzeitig zeigt die Konjunktur weiterhin solide Wachstumsraten. Der Markt rechnet aktuell mit einer Wahrscheinlichkeit von 60,1 % für unveränderte Zinsen bei der Sitzung am 16. September und 39,9 % für eine Zinserhöhung. - Ölpreis steigt weiter
ie geopolitischen Risiken im Nahen Osten bleiben ein wichtiger Inflationstreiber. WTI und Brent legten in KW 34 jeweils um mehr als 6 % zu. Auch Heating Oil (+4,95 %) und Benzin (+5,14 %) stiegen deutlich. - Rotation in Rohstoffe, Healthcare, Energie und Bitcoin
Die Heatmap zeigt eine deutliche Verschiebung innerhalb des Marktes. Während viele Technologie- und Konsumwerte fielen, konnten Healthcare, Energie und Rohstoffe deutlich zulegen. Noch stärker war die Bewegung bei den Edelmetallen: Gold stieg um 5,48 %, Silber um 6,79 % und Platin um 7,90 %. Gleichzeitig gewann Bitcoin innerhalb der Woche mehr als 21 %.

Marktphase
Kurs/50-Tage %-Div (S&P 500): +1,74 % – Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div (S&P 500): +7,55 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
50/200-Tage %-Div: +5,81 % – stabiler Aufwärtstrend
RSI: 56,92 – neutral
Wilder-RSI: 62,04 – neutral
Marktbreite (% über 200 MA): 72,4 % – Aufwärtstrend
Wochenvolumen-Index (5/20): 0,88 – schwaches Volumen
Trendkanal: Kurs oberhalb
Die technische Situation hat sich gegenüber der Vorwoche deutlich entspannt. Der RSI ist von den überkauften Bereichen zurückgekommen und liegt mit 56,92 wieder im neutralen Bereich. Auch der Wilder-RSI ist mit 62,04 nicht mehr überkauft.
Trotzdem ist der langfristige Aufwärtstrend weiterhin intakt. Der S&P 500 liegt 7,55 % über seiner 200-Tage-Linie und 1,74 % über der 50-Tage-Linie. Mit 72,4 % der Aktien oberhalb ihrer 200-Tage-Linie bleibt auch die Marktbreite grundsätzlich konstruktiv.
Die aktuelle Schwäche ist daher bislang eher als Konsolidierung auf hohem Niveau und nicht als Trendbruch zu interpretieren. Gleichzeitig bleibt das schwache Volumen ein Warnsignal.
Auffällig ist außerdem, dass sich seit etwa 2023 offenbar ein neuer, deutlich steilerer Trendkanal im S&P 500 etabliert hat. Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, ob der aktuelle Aufwärtstrend intakt ist, sondern wie nachhaltig dieser steilere Wachstumspfad tatsächlich ist. Ob sich hier eine neue strukturelle Wachstumsphase entwickelt oder möglicherweise eine zweite Dotcom-ähnliche Übertreibung entsteht, habe ich in einer separaten Analyse in einem Youtube-Video untersucht. Unten im Beitrag ist das Video auch eingebettet.

Stand: 2026-08-23
Liquidität & Geldpolitik
Die Zentralbankliquidität hat sich in KW 34 leicht verschlechtert. Die Fed-Bilanz fiel von 6.759.955 Mio. USD auf 6.745.699 Mio. USD und damit um rund 0,21 %. Der Z-Score der Veränderung fiel von +0,84 auf -0,80, während der Z-Score selbst weiterhin mit +0,66 positiv bleibt. Der Z-Score-Kombi fiel dadurch deutlich von +0,80 auf +0,07.
Das Bild lautet damit weiterhin: Die Zentralbankbilanzen wirken restriktiv, die Restriktion flacht aber ab. Eine wirklich expansive Liquiditätsphase ist daraus noch nicht abzuleiten.
Der 10Y/2Y-Spread liegt mit 0,50 weiterhin im Bereich eines gesunden Zinsmarktes. Der Anstieg des Spreads um 3,72 % gegenüber der Vorwoche ist leicht bullisch zu interpretieren.
Beim nächsten Zinsschritt erwartet der Markt derzeit weiterhin keine unmittelbare Veränderung. Für den 16. September liegt die Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen aktuell bei 60,1 %, für eine Erhöhung bei 39,9 %.
Besonders wichtig bleibt allerdings der lange Teil der Zinskurve. Das Finanzministerium versucht mit den ausgeweiteten Anleiherückkäufen, den Druck am langen Ende zu reduzieren. Dass die Wirkung nur begrenzt anhielt, zeigt, dass die hohen langfristigen Renditen nicht allein ein Liquiditätsproblem sind. Auch Inflation, Staatsverschuldung und das hohe Angebot an US-Staatsanleihen spielen eine Rolle.
Makroökonomie
Beschäftigung MoM: -0,014 % – AZKC
Beschäftigung YoY: +0,20 % – unsichere Übergangsphase
Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 206.000, 4-Wochen-Trend +3,13 % – Arbeitsmarkt neutral
CPI YoY: 3,30 % – Inflationsrisiko
PPI YoY: 8,14 % – Inflationsrisiko
Die wichtigsten neuen Konjunkturdaten kamen am Freitag mit den Einkaufsmanagerindizes. Der S&P Global Services PMI stieg überraschend deutlich auf 56,8 Punkte und lag damit klar über den erwarteten 54,0 Punkten. Die Dienstleistungswirtschaft zeigt damit weiterhin eine robuste Dynamik.
Der Manufacturing PMI fiel dagegen auf 53,2 Punkte und lag damit leicht unter der Erwartung von 53,9 Punkten. Die Industrie bleibt damit zwar im Expansionsbereich, verliert aber etwas an Dynamik.
Das Gesamtbild der US-Wirtschaft bleibt somit robust. Gerade das ist für die Fed problematisch: Eine Wirtschaft, die trotz hoher Zinsen weiterhin solide wächst, gibt der Notenbank wenig Anlass für eine schnelle Lockerung.
Gleichzeitig bleiben die Inflationsdaten mit 3,30 % beim CPI und 8,14 % beim PPI deutlich erhöht. Steigende Ölpreise könnten den Inflationsdruck zusätzlich verstärken.
Marktstimmung
VIX: 15,13 – ruhiger Markt
Put/Call-Ratio: 1,72 – Angst, bullisch
Fear & Greed Index: 55 – Hold, neutral
Die Marktstimmung ist trotz der Kursrückgänge erstaunlich stabil geblieben. Der VIX liegt mit 15,13 weiterhin auf einem niedrigen Niveau. Von echter Panik ist der Aktienmarkt damit weit entfernt.
Interessanter ist die Put/Call-Ratio von 1,72. Sie signalisiert eine erhöhte Nachfrage nach Absicherung und damit kurzfristig mehr Vorsicht der Marktteilnehmer. Gleichzeitig liegt der Fear-&-Greed-Index mit 55 nur im neutralen Bereich.
Die Kombination aus ruhigem VIX, neutralem Fear & Greed und erhöhter Put/Call-Ratio spricht für einen Markt, der zwar vorsichtiger wird, aber noch nicht komplett auf Risiko verzichtet.
Rohstoffe
Gold: 4.608,65 USD, +5,50 % (5 Tage) – Risk-off
Öl: > +6,09 % (5 Tage) – stark steigend, Inflationsrisiko
Kupfer: -3,8 % (5 Tage) – Konsolidierung auf hohem Niveau
Die Rohstoffmärkte waren einer der stärksten Bereiche in KW 34. Gold legte innerhalb von fünf Tagen um 5,50 % zu und markiert damit erneut die hohe Nachfrage nach Absicherung.
Kupfer konsolidiert sich auf hohem Niveau. Trotz des Rückgangs ist Kupfer nahe Allzeithoch.
Der Ölpreis bleibt dagegen der problematischere Faktor. Die Entwicklung bleibt hier klar inflationär. Sollte sich der Ölpreisanstieg fortsetzen, könnte dies die Zinssenkungserwartungen weiter zurückdrängen.
Technische Indikatoren
50/200-Tage MA (S&P 500): 445,95 – Aufwärtstrend
50/200-Tage %-Div: +5,81 % – stabiler Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div: +7,55 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
Kurs/50-Tage %-Div: +1,74 % – Aufwärtstrend
RSI: 56,92 – neutral
Wilder-RSI: 62,04 – neutral
Wochenvolumen-Index (5/20): 0,88 – schwaches Volumen
Trendkanal: Kurs oberhalb
Das technische Bild hat sich durch die Konsolidierung verbessert. Die vorherige Überhitzung beim RSI ist deutlich zurückgegangen, ohne dass der langfristige Aufwärtstrend beschädigt wurde.
Besonders wichtig ist der Abstand zur 200-Tage-Linie. Mit +7,55 % bleibt der S&P 500 deutlich über seinem langfristigen Durchschnitt. Das ist weiterhin bullisch, zeigt aber auch, dass der Markt nicht billig ist.
Die Marktbreite von 72,4 % bleibt solide. Gleichzeitig ist das Wochenvolumen mit 0,88 weiterhin schwach. Die Konsolidierung wird also nicht von einem massiven Abverkauf begleitet – aber auch nicht von besonders starkem Kaufvolumen.
Damit bestätigt die technische Analyse das Bild einer Konsolidierung auf hohem Niveau.
Bitcoin
Bitcoin hat in KW 34 einen außergewöhnlich starken Ausbruch vollzogen und stieg zeitweise bis auf rund 78.000 USD.
Der Ausbruch wurde von mehreren Faktoren gleichzeitig getragen: den angekündigten höheren Treasury-Rückkäufen, regulatorischen Hoffnungen rund um ein neues Krypto-Gesetz und starken Zuflüssen in Bitcoin-ETFs.
Zusätzlich verstärkte ein massiver Short-Squeeze die Bewegung. Innerhalb von 24 Stunden wurden mehr als 1,25 Mrd. USD an Krypto-Shorts liquidiert, davon rund 750 Mio. USD allein bei Bitcoin. Über zwei Tage summierten sich die Liquidationen auf mehr als 3 Mrd. USD.
Damit war der Bitcoin-Anstieg nicht ausschließlich fundamental getrieben. Ein erheblicher Teil der Dynamik entstand durch die Auflösung gehebelter Short-Positionen. Trotzdem zeigt die Bewegung, dass Bitcoin derzeit deutlich stärker auf Erwartungen an Liquidität, Regulierung und die Entwicklung der US-Staatsanleihen reagiert.

Ausblick
KW 35 steht vor allem im Zeichen der US-Inflation und der Fed-Kommunikation.
Am Mittwoch, dem 26.08., folgt die Kernrate der persönlichen Konsumausgaben. Sie ist für die weitere Zinserwartung besonders wichtig, weil die Fed die PCE-Inflation als zentrale Messgröße betrachtet.
Am Freitag, dem 28.08., spricht Fed-Chef Kevin Warsh. Seine Aussagen dürften angesichts der aktuell nahezu ausgeglichenen Zinserwartungen besonders genau beobachtet werden.
Ebenfalls am Freitag kommt die Benchmark-Revision der Arbeitsmarktdaten. Sollte sich hier eine deutliche Korrektur der bisherigen Beschäftigungsentwicklung ergeben, könnte das die Zinserwartungen spürbar verändern.
Fazit
Der überhitzte Aufwärtstrend hat sich in KW 34 in eine Konsolidierung auf hohem Niveau verwandelt. Die Überhitzung der technischen Indikatoren hat sich dadurch deutlich reduziert, während der langfristige Aufwärtstrend mit einer weiterhin soliden Marktbreite intakt bleibt.
Gleichzeitig verschiebt sich die Aufmerksamkeit zunehmend vom kurzfristigen Aktienkurs auf den Anleihemarkt. Die Entscheidung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langfristiger Staatsanleihen mindestens zu verdoppeln, ist ein bemerkenswertes Signal. Sie zeigt, dass die hohen langfristigen Finanzierungskosten inzwischen selbst zu einem wirtschafts- und marktpolitischen Problem geworden sind.
Parallel dazu geraten die hoch bewerteten KI- und Halbleiterwerte unter Druck, während Gold, Energie, Healthcare und Bitcoin stark zulegen. Der Markt zeigt damit zunehmend eine Rotation statt einer einheitlichen Aufwärtsbewegung.
Die entscheidende Frage ist jetzt, ob die Konsolidierung lediglich eine gesunde Verschnaufpause innerhalb des seit 2023 steileren Aufwärtstrends darstellt oder ob der Markt beginnt, eine überzogene KI-Erwartung abzubauen. Genau diese Frage habe ich in meiner aktuellen YouTube-Analyse zum langfristigen S&P-500-Trend untersucht.
Grundlage für diesen Bericht ist mein automatisiertes Auswertungssystem, welches ich auf YouTube genauer erkläre.