Marktkompass KW 36/2026
Kurzfazit der Woche
Der überhitzte Aufwärtstrend bleibt in KW 35 intakt, die technische Überhitzung hat sich jedoch weiter abgebaut. Während NVIDIA mit starken Zahlen möglicher Weise die nächste Runde des KI-Booms einläutete und Salesforce zeigte, dass KI zunehmend auch bei Softwareunternehmen Umsatz und Gewinn treiben kann, verschärfte sich gleichzeitig der Zinsdruck durch die weiterhin hohe Inflation und die hawkishe Kommunikation der Fed.

Markttreiber der Woche
- NVIDIA bestätigt die KI-Nachfrage – zweite Runde des KI-Booms möglich
NVIDIA lieferte in dieser Woche erneut außergewöhnlich starke Zahlen. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal des Geschäftsjahres 2027 auf 96,2 Mrd. USD, ein Plus von 106 % gegenüber dem Vorjahr. Noch wichtiger für den Markt war allerdings der Ausblick: NVIDIA erwartet für das kommende Geschäftsjahr weiterhin ein Umsatzwachstum von rund 70 %.
Damit liefert NVIDIA einen wichtigen Beleg dafür, dass die enormen Investitionen in KI-Infrastruktur noch nicht nachlassen. - Salesforce zeigt: KI kann auch bei Softwareunternehmen Gewinne treiben
Salesforce lieferte einen wichtigen Hinweis darauf, dass KI nicht nur enorme Investitionen verursacht, sondern zunehmend selbst zum Wachstum beiträgt. Der Umsatz stieg im zweiten Quartal um 11 % auf 11,35 Mrd. USD, gleichzeitig wurde die Jahresprognose angehoben. Besonders die Entwicklung von Agentforce und Data 360 zeigt, dass KI zunehmend zu einem kommerziellen Produkt wird.
Damit könnte sich der KI-Boom auf eine zweite Ebene ausweiten. Es profitieren zunehmend Softwareunternehmen und andere Anwender der Technologie. Die breite Stärke zahlreicher Softwarewerte in der Heatmap unterstützt dieses Bild. - Fed wird hawkisher – Zinserhöhung im September wieder wahrscheinlicher
Die Inflation bleibt das größte Problem der US-Notenbank. Die Kernrate der persönlichen Konsumausgaben lag im Juli unverändert bei 3,3 %, der monatliche Anstieg betrug 0,2 %. Damit liegt die Inflation weiterhin deutlich über dem 2-%-Ziel der Fed.
Für den 16. September liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung inzwischen bei 57 %, während 43 % auf unveränderte Zinsen entfallen. Der Markt muss damit wieder stärker mit höheren Zinsen rechnen. - Ölpreis gibt nach – kurzfristiger Inflationsdruck nimmt ab
Der Ölpreis hat sich in KW 35 kurzfristig entspannt. Auf Sicht von fünf Tagen liegt die Veränderung bei nur −0,29 %, nachdem der Preis zwischenzeitlich deutlich gefallen war. Die geopolitische Risikoprämie rund um die Straße von Hormus hat damit etwas nachgelassen. - Rotation innerhalb des Marktes setzt sich fort
Die Heatmap zeigt weiterhin eine deutliche Rotation. Während KI-, Mega-Cap- und Softwarewerte stark zulegen, stehen insbesondere Gesundheit und Energie unter Druck.

Marktphase
Kurs/50-Tage %-Div (S&P 500): +1,92 % – Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div: +7,69 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
50/200-Tage %-Div: +5,77 % – stabiler Aufwärtstrend
RSI: 45,31 – neutral
Wilder-RSI: 46,76 – leicht überverkauft
Marktbreite (% über 200 MA): 71 % – Aufwärtstrend
Wochenvolumen-Index (5/20): 0,80 – schwaches Volumen
Trendkanal: Kurs oberhalb
Die technische Situation hat sich gegenüber der ursprünglichen Überhitzung weiter abgekühlt. Der RSI liegt inzwischen bei 45,31 und auch der Wilder-RSI ist mit 46,76 weit von einem überkauften Bereich entfernt. Trotzdem bleibt die Marktphase „Überhitzter Aufwärtstrend“ bestehen. Der Grund liegt vor allem in der weiterhin großen Distanz zur 200-Tage-Linie. Der S&P 500 notiert 7,69 % über seinem langfristigen Durchschnitt und 1,92 % über der 50-Tage-Linie.
Stand: 2026-08-28
Liquidität & Geldpolitik
Die Zentralbankliquidität hat sich in KW 35 erneut leicht reduziert. Die Fed-Bilanz fiel diese Woche um rund 0,22 %. Das grundsätzliche Bild bleibt damit unverändert:
Die Zentralbankbilanzen wirken weiterhin restriktiv. Die Restriktion flacht zwar ab, eine wirklich expansive Liquiditätsphase ist nicht erkennbar.
Der Zentralbank-Score ist wird meinem System weiterhin als „restriktiv → abflachend, aber nicht expansiv“ eingestuft.
Der 10Y/2Y-Spread liegt mit 0,39 Prozentpunkten weiterhin in einem grundsätzlich gesunden Bereich. Allerdings ist der Spread auf Sicht von fünf Tagen um knapp 10 % zurückgegangen. Das wird im System leicht bärisch bewertet.
Besonders wichtig ist die Entwicklung der kurzfristigen Zinserwartungen. Für den 16. September erwartet der Markt inzwischen mit 57 % Wahrscheinlichkeit eine Zinserhöhung. Nur noch 43 % entfallen auf unveränderte Zinsen.
Damit hat sich die geldpolitische Ausgangslage gegenüber der Vorwoche verschärft. Die Kombination aus hartnäckiger Inflation, einer weiterhin robusten Wirtschaft und einer zunehmend hawkischen Fed ist aktuell einer der wichtigsten Belastungsfaktoren für den Markt.
Makroökonomie
Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 203.000 – Arbeitsmarkt leicht stärker, stabil
Das makroökonomische Bild bleibt ambivalent.
Der Arbeitsmarkt zeigt bislang keine deutlichen Anzeichen für einen Einbruch. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe liegen mit 203.000 weiterhin niedrig und der 4-Wochen-Trend hat sich mit −0,61 % sogar leicht verbessert.
Gleichzeitig bleibt die Inflation das größere Problem.
Damit befindet sich die US-Wirtschaft in einer für die Fed schwierigen Situation: Der Arbeitsmarkt ist nicht schwach genug für eine schnelle Lockerung, gleichzeitig ist die Inflation noch deutlich zu hoch.
Die nächsten Arbeitsmarktdaten werden deshalb besonders wichtig.
Marktstimmung
VIX: 14,43 – ruhiger Markt
Put/Call-Ratio: 1,72 – Angst, bullisch
Fear & Greed Index: 54 – Hold, neutral
Die Marktstimmung bleibt erstaunlich ruhig.
Der VIX von 14,43 signalisiert weiterhin einen Markt ohne nennenswerte Panik. Gleichzeitig zeigt die Put/Call-Ratio von 1,72, dass sich die Marktteilnehmer durchaus gegen Rückschläge absichern.
Der Fear-&-Greed-Index liegt mit 54 praktisch genau im neutralen Bereich.
Damit ergibt sich weiterhin eine interessante Kombination: Die Anleger sind vorsichtig, aber keineswegs ängstlich.
Rohstoffe
Gold: 4.449,30 USD, −3,46 % (5 Tage) – Risk-on
Öl (WTI): 83,40 USD, −4,29 % (5 Tage)
Kupfer: −0,4 % (5 Tage) – leichter Abwärtstrend
Kupfer 4 Wochen: +13,75 % – starker Aufwärtstrend, Nachfrage hoch
Bei den Rohstoffen hat sich das Bild gegenüber der Vorwoche deutlich verändert.
Gold gab auf Sicht von fünf Tagen 3,46 % nach. Der Rückgang passt zum wieder zunehmenden Risikoappetit und zur steigenden Erwartung einer möglichen Zinserhöhung.
Auch Kupfer konsolidiert kurzfristig. Mit einem Plus von 13,75 % auf vier Wochen bleibt der übergeordnete Aufwärtstrend allerdings sehr stark.
Beim Ölpreis hat sich die kurzfristige Situation beruhigt. Trotzdem ist der Preis noch erhöht.
Damit ist der Ölpreis weiterhin ein potenzieller Inflationstreiber. Sollte die geopolitische Entspannung nachhaltig sein, könnte dieser Druck in den kommenden Wochen allerdings nachlassen.

Technische Indikatoren
50/200-Tage MA (S&P 500): 445,07 – Aufwärtstrend
50/200-Tage %-Div: +5,77 % – stabiler Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div: +7,69 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
Kurs/50-Tage %-Div: +1,92 % – Aufwärtstrend
RSI: 45,31 – neutral
Wilder-RSI: 46,76 – leicht überverkauft
Wochenvolumen-Index (5/20): 0,80 – schwaches Volumen
Trendkanal: Kurs oberhalb
Das technische Bild ist auf kurze Sicht deutlich entspannter als noch vor einigen Wochen.
Der RSI liegt mit 45,31 im neutralen Bereich, der Wilder-RSI sogar leicht unterhalb der neutralen Zone. Von einer kurzfristigen Überhitzung kann daher nicht mehr gesprochen werden.
Gleichzeitig liegt der S&P 500 weiterhin fast 8 % über seiner 200-Tage-Linie. Der langfristige Trend ist damit stark, aber auch weiterhin anspruchsvoll bewertet.
Die Marktbreite von 71 % bestätigt den Aufwärtstrend. Problematisch bleibt dagegen das schwache Volumen.
Damit bleibt die technische Bewertung eindeutig:
Kein Trendbruch – aber auch kein idealer Ausgangspunkt für einen neuen starken Aufwärtsimpuls.
Der Markt benötigt entweder weiteres Gewinnwachstum oder eine Verbesserung der Liquiditäts- und Zinsbedingungen, um die aktuelle Bewertung nachhaltig zu rechtfertigen.
Bitcoin
Bitcoin stieg kurzfristig wieder über 80.000 USD, konnte diesen Ausbruch aber nicht nachhaltig bestätigen.

Nach dem starken Anstieg der vergangenen Woche konsolidiert Bitcoin inzwischen auf einem Niveau um 78.000 USD. Die entscheidende Marke liegt weiterhin bei etwa 83.000 USD. Dort befindet sich das vorherige Hoch und damit der wichtigste Widerstand. Ein nachhaltiger Ausbruch über 83.000 USD wäre technisch deutlich aussagekräftiger als der kurzfristige Anstieg über 80.000 USD.
Solange dieser Ausbruch nicht gelingt, bleibt die aktuelle Bewegung zunächst als Konsolidierung nach dem starken Anstieg zu interpretieren. Interessant ist dabei die unterschiedliche Reaktion zu Gold: Während Gold deutlich korrigiert, hält sich Bitcoin auf hohem Niveau. Das spricht weiterhin für eine relativ hohe Risikobereitschaft im Kryptomarkt.
Ausblick
KW 36 wird vor allem durch die neuen US-Konjunkturdaten bestimmt.
Am Dienstag, 01.09., steht mit dem ISM Manufacturing PMI der erste wichtige Konjunkturindikator der Woche an. Nach der zuletzt robusten Entwicklung der Wirtschaft wird entscheidend sein, ob die Industrie ihre Dynamik halten kann.
Am Mittwoch, 02.09., folgt der ADP Employment Change. Der private Arbeitsmarktbericht liefert einen ersten Hinweis auf die Entwicklung des Arbeitsmarktes vor den offiziellen Arbeitsmarktdaten.
Am Donnerstag, 03.09., folgt der ISM Services PMI. Da die US-Wirtschaft stark vom Dienstleistungssektor geprägt ist, dürfte dieser Wert für die Einschätzung der Konjunkturdynamik besonders relevant sein.
Der wichtigste Termin kommt am Freitag, 04.09. mit den offiziellen US-Arbeitsmarktdaten.
Neben den Nonfarm Payrolls werden insbesondere die Veränderung der durchschnittlichen Stundenlöhne und deren Entwicklung gegenüber dem Vorjahr wichtig sein.
Damit stehen in KW 36 genau die Daten im Mittelpunkt, die für die aktuelle Zinsdiskussion entscheidend sind: Wächst die US-Wirtschaft weiterhin robust genug, um höhere Zinsen zu rechtfertigen – oder zeigen Arbeitsmarkt und Konjunktur endlich genügend Schwäche für eine Lockerung der Geldpolitik?
Gleichzeitig wird sich zeigen müssen, ob der KI-Impuls durch NVIDIA und Salesforce breit genug ist, um den Gesamtmarkt weiterzutragen.
Fazit
Der überhitzte Aufwärtstrend bleibt in KW 35 intakt. Die kurzfristige technische Überhitzung hat sich allerdings deutlich reduziert. RSI und Wilder-RSI liegen inzwischen im neutralen beziehungsweise leicht überverkauften Bereich, während die Marktbreite mit 71 % weiterhin einen grundsätzlich stabilen Aufwärtstrend bestätigt.
Der wichtigste positive Impuls kommt derzeit aus dem KI-Sektor. Starkes Gewinnwachstum durch KI trifft auf hohe Bewertungen und zunehmend restriktive Zinsen.
KW 36 wird deshalb vor allem zeigen müssen, ob die US-Konjunktur stark genug bleibt, um den aktuellen Aufwärtstrend zu tragen, ohne gleichzeitig die Inflations- und Zinsproblematik weiter zu verschärfen. Genau deshalb sind die kommenden Arbeitsmarkt- und Konjunkturdaten wichtiger als die kurzfristige Bewegung des S&P 500.