Marktkompass KW 37/2026
Kurzfazit der Woche
Der überhitzte Aufwärtstrend bleibt in KW 36 intakt, wurde aber von gegensätzlichen Markttreibern geprägt: Auf der einen Seite ein überraschend starker US-Arbeitsmarktbericht und ein durch die Eskalation am Golf befeuerter Ölpreisschock, auf der anderen Seite dovishe Signale von Fed-Gouverneur Waller, die den zuletzt hawkishen Ton von Fed-Chef Warsh etwas relativierten. Parallel sorgte die politische Krise in Frankreich für spürbaren Gegenwind in Europa.

Markttreiber der Woche
- Eskalation am Golf: Öl schießt nach oben
US-Angriffe auf iranische Ziele nahe der Straße von Hormus am 1. September trieben Brent und WTI deutlich nach oben, bevor sich die Bewegung etwas stabilisierte. Die Futures-Heatmap zeigt das ganze Ausmaß: Crude Oil WTI +9,69 %, Brent +9,29 %, Gasoil +7,88 %, Heating Oil +6,85 %. - Fed-Zickzack: Warsh vs. Waller
Nach der restriktiven Jackson-Hole-Rede von Fed-Chef Warsh war die eingepreiste Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September auf 60–66 % gestiegen. Waller drehte das am Donnerstag teilweise zurück: Er sprach sich für ein Halten der Zinsen aus, falls die Disinflation anhält, was Anleiherenditen und Aktienmärkte kurzzeitig beflügelte. Trotzdem preist der Markt laut CME FedWatch für den 16.09. weiterhin mehrheitlich eine Zinserhöhung ein (59,4 % Erhöhung vs. 40,6 % unverändert) – Grund sind die starken US-Arbeitmartdaten. - Überraschend starker US-Arbeitsmarkt (Freitag)
Die Nonfarm Payrolls für August lagen bei +162.000 – weit über der Prognose von 56.000 und deutlich über dem Vormonat. Die Stundenlöhne stiegen wie erwartet um 0,3 % zum Vormonat. Das nimmt Rezessionsängste aus dem Markt, erschwert aber gleichzeitig die Zins-Debatte der Fed, da ein solch robuster Arbeitsmarkt prinzipiell gegen eine baldige Lockerung spricht. - KI-Speicherboom treibt Semiconductor-Rotation
In der Sektor-Heatmap sticht Micron mit +8,98 % heraus, getrieben von einer außergewöhnlich hohen KI-Nachfrage nach Speicherkomponenten (DRAM/NAND) sowie dem neuen 10-Mrd.-Dollar-KI-Speicherlabor in Boise. Das zieht Kapital in Hardware (Nvidia +5,89 %, AMD +2,58 %, KLAC +5,73 %), während Software- und Megacap-Werte unter Rotation und Gewinnmitnahmen leiden. - Politisches Risiko in Frankreich belastet Europa
Frankreich steckt in einer schweren politischen und finanziellen Dauerkrise, die durch eine stark zersplitterte Nationalversammlung, regierungsfeindliche Mehrheiten und einen massiven Schuldenberg gekennzeichnet ist. In Kombination mit steigenden Ölpreisen und hohen Anleihezinsen werden dadurch Europas Börsen belastet – sichtbar an DAX -2,06 % und Euro Stoxx 50 -1,52 % in der Heatmap.

Marktphase
Kurs/50-Tage %-Div (S&P 500): +1,64 % – Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div: +7,47 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
50/200-Tage %-Div: +5,83 % – stabiler Aufwärtstrend
RSI: 47,44 – neutral
Wilder-RSI: 46,48 – leicht überverkauft
Marktbreite (% über 200 MA): 66,6 % – Aufwärtstrend
Wochenvolumen-Index (5/20): 1,03 – neutral
Trendkanal: Kurs oberhalb
Die technische Lage bleibt im Kern unverändert zur Vorwoche, mit einer bemerkenswerten Ausnahme: Die Marktbreite ist von 71 % auf 66,6 % gefallen – weniger Einzelwerte tragen den Trend als noch vor einer Woche. RSI und Wilder-RSI notieren weiterhin neutral bis leicht überverkauft, von kurzfristiger Überhitzung kann also nicht die Rede sein. Der übergeordnete Aufwärtstrend bleibt aber intakt, der S&P 500 notiert weiterhin rund 7,5 % über seiner 200-Tage-Linie. Genau diese Distanz zum langfristigen Durchschnitt ist der Grund, warum die Marktphase weiterhin als Überhitzter Aufwärtstrend eingestuft wird. Und auch wenn im vorherigen Marktbericht für KW35 ein neuer Trendkanal identifiziert wurde, wird der alte Trendkanal als Bewertungskriterium beibehalten. Historisch sind Abweichungen nach oben immer weider auf alten Trendkanal zurückgekommen.

Stand: 2026-09-06
Liquidität & Geldpolitik
Die Fed-Bilanz ist in KW 36 nach der Kontraktion der Vorwoche wieder leicht gestiegen. Die Zentralbankbilanzen sind weder klar expansiv noch restriktiv.
Besonders spannend bleibt die kurzfristige Zinserwartung: Trotz der dovishen Waller-Kommentare preist der Markt für die FOMC-Sitzung am 16. September weiterhin mehrheitlich eine Zinserhöhung ein (59,4 % vs. 40,6 % unverändert) – ein leichter Anstieg gegenüber den 57 % der Vorwoche. Der überraschend starke Arbeitsmarktbericht dürfte diese Erwartung hauptsächlich gesetzt haben.
Makroökonomie
Das makroökonomische Bild von KW 36 war ambivalent bis positiv überraschend. Der ISM Manufacturing PMI kühlte leicht auf 54,6 ab (Prognose 55,2), der ADP Employment Change enttäuschte mit 38.000 (Prognose 47.000). Dafür lieferte der ISM Services PMI mit 55,4 eine positive Überraschung (Prognose 54,3), und die Nonfarm Payrolls übertrafen mit +162.000 die Erwartungen von 56.000 deutlich – bei stabilen Stundenlöhnen.
In Summe zeigt die Woche: Der Dienstleistungssektor und der Arbeitsmarkt bleiben robust, während das verarbeitende Gewerbe und die Privatwirtschaft (ADP) leicht schwächeln. Für die Fed bleibt die Lage damit unbequem – der Arbeitsmarkt ist nicht schwach genug für eine schnelle Lockerung, während die Inflation weiterhin deutlich über dem Zielwert liegt.
Marktstimmung
VIX: 14,53 – ruhiger Markt
Put/Call-Ratio: 1,72 – Angst, bullisch
Fear & Greed Index: 42 – Hold, Fear
Die Marktstimmung zeigt in KW 36 den ersten spürbaren Stimmungsdämpfer seit einigen Wochen: Der Fear-&-Greed-Index ist von 54 (neutral) auf 42 gefallen und damit erstmals wieder in den Angst-Bereich gerutscht. Der VIX selbst bleibt mit 14,53 zwar weiterhin auf niedrigem, ruhigem Niveau, aber die Put/Call-Ratio von 1,72 bestätigt: Anleger sichern sich trotz der insgesamt ruhigen Lage weiterhin gegen Rückschläge ab. Die Kombination aus Golf-Eskalation, Frankreich-Krise und schwächerer Marktbreite dürfte hinter diesem Stimmungsknick stehen, auch wenn der VIX selbst noch keine Panik zeigt.
Rohstoffe
Gold: 4.427,28 USD, -0,49 % (5 Tage) – Risk-on
Öl (WTI): 91,22 USD +9,66% – Geopolitischer Schock
Kupfer: +0,35 % (5 Tage) – leichter Aufwärtstrend
Bei den Rohstoffen bestätigt das System diese Woche deutlich, was die Futures-Heatmap bereits zeigte: Der Ölpreis ist klar in den Bereich „geopolitischer Schock“ gerutscht. Gold hat sich dagegen stabilisiert (-0,49 % auf 5-Tage-Sicht, nach -3,46 % in der Vorwoche) – die Heatmap zeigt für die Woche -1,18 %. Dass Gold trotz der geopolitischen Eskalation nicht stärker zulegt, zeigt wie sehr Gold an Realzinsen und Zinserwartung gekoppelt ist.
Kupfer bleibt im positiven Bereich. Die Heatmap zeigt für die Woche selbst ein moderates Plus (+0,35 %), während Aluminium (+1,93 %) und Stahl (+1,74 %) die grundsätzlich robuste Industriemetall-Nachfrage weiter stützen.
Technische Indikatoren
50/200-Tage MA (S&P 500): 449,94 – Aufwärtstrend
50/200-Tage %-Div: +5,83 % – stabiler Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div: +7,47 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
Kurs/50-Tage %-Div: +1,64 % – Aufwärtstrend
RSI: 47,44 – neutral
Wilder-RSI: 46,48 – leicht überverkauft
Marktbreite (% über 200 MA): 66,6 % – Aufwärtstrend
Wochenvolumen-Index (5/20): 1,03 – neutral
Trendkanal: Kurs oberhalb
Das technische Bild bleibt insgesamt entspannt, mit einer kleinen positiven Randnotiz: Der Wochenvolumen-Index hat sich von 0,80 (schwaches Volumen) auf 1,03 (neutral) verbessert – der Trend wird also wieder etwas breiter durch Umsatz gestützt. Gleichzeitig ist die Marktbreite (% über 200-Tage-Linie) von 71 % auf 66,6 % gesunken. Weder RSI noch Wilder-RSI signalisieren eine kurzfristige Überhitzung, insgesamt bleibt das Bild also uneinheitlich, aber nicht bedrohlich.
Bitcoin
Bitcoin stieg kurzfristig wieder über 80.000 USD, konnte diesen Ausbruch aber nicht nachhaltig bestätigen und konsolidiert nach dem starken Anstieg der Vorwoche auf hohem Niveau von knapp unter 80.000 USD. Die entscheidende Marke bleibt der Widerstand bei rund 83.000 USD – dort liegt das vorherige Hoch. Ein nachhaltiger Ausbruch darüber wäre technisch deutlich aussagekräftiger als der kurzfristige Sprung über 80.000 USD. Bemerkenswert ist aber: Trotz der unsicheren Zins-Situation, die sich im Kurs widerspiegel, und der Golf-Eskalation bleibt Bitcoin bislang stabil, während Gold spürbar nachgibt – ein Hinweis auf weiterhin hohe Risikobereitschaft im Kryptomarkt.

Ausblick
KW 37 wird vor allem durch die neuen US-Inflationsdaten bestimmt – nach den Arbeitsmarktdaten der Vorwoche rückt nun die Preisseite in den Fokus.
Am Donnerstag, 10.09., steht der Erzeugerpreisindex ohne Lebensmittel & Energie (YoY) an.
Der wichtigste Termin folgt am Freitag, 11.09., mit dem Verbraucherpreisindex (CPI) – sowohl in der Kernrate als auch in der Gesamtrate. Zusätzlich wird der Michigan Consumer Sentiment Index veröffentlicht, der angesichts des gefallenen Fear-&-Greed-Index besonders spannend wird.
Diese Daten sind für die FOMC-Sitzung am 16./17. September entscheidend: Bestätigt der CPI die Disinflation, dürfte Wallers Position einer Zinspause an Gewicht gewinnen und die aktuell bei 59,4 % liegende Zins-Erhöhungs-Wahrscheinlichkeit sinken. Fällt die Inflation dagegen „heiß“ aus, dürfte sich das Fed-Lager um Warsh bestätigt sehen.
Die kommenden Daten in der Woche sind daher besonders wichtig und wegweisend.
Fazit
Der überhitzte Aufwärtstrend bleibt in KW 36 intakt, zeigt aber erste kleine Risse: Die Marktbreite ist von 71 % auf 66,6 % gefallen, und der Fear-&-Greed-Index ist von neutral auf Fear (42) gerutscht. RSI und Wilder-RSI signalisieren weiterhin keine kurzfristige Überhitzung.
Die Woche war geprägt von äußerst gegenpoligen Ereignissen: Ein Ölpreisschock durch die Eskalation am Golf, dovishe Fed-Signale von Waller und ein überraschend starker US-Arbeitsmarkt. Gleichzeitig setzt die Zinserwartung für den 16. September mit 59,4 % überwiegend auf Erhöhung.
KW 37 wird deshalb entscheidend: Die CPI-Daten am Freitag dürften maßgeblich bestimmen, ob sich die Fed für eine Zinspause oder eine erneute Straffung entscheidet – und ob sich die leicht angeschlagene Marktbreite und Stimmung wieder erholen oder der überhitzte Aufwärtstrend erstmals seit Wochen echten Gegenwind bekommt.
Grundlage für diesen Bericht ist mein automatisiertes Auswertungssystem, welches ich auf YouTube genauer erkläre.