Marktkompass KW 38/2026
Kurzfazit der Woche
Der überhitzte Aufwärtstrend bleibt auch in KW 37 intakt, obwohl der Markt am Donnerstag kurz in eine Zwischenkorrektur abtauchte. Die Inflationsdaten waren insgesamt weitgehend erwartungsgemäß, gleichzeitig stieg die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung am 16. September auf 87,3 %. Bemerkenswert war die Reaktion am Freitag: Trotz der deutlich gestiegenen Zinserwartung fiel der Ölpreis, während die Aktienmärkte wieder zulegten – ein Zeichen dafür, dass der Markt derzeit stärker auf eine mögliche Entspannung beim Ölpreis als auf die bereits weitgehend eingepreiste Zinserhöhung reagiert.

Markttreiber der Woche
Fed-Zinserhöhung nahezu eingepreist
Für den 16. September preist CME FedWatch inzwischen eine Wahrscheinlichkeit von 87,3 % für eine Zinserhöhung ein. Entscheidend ist kommende Woche in KW38 damit weniger der Zinsschritt selbst, sondern die Projektion der Fed und die Pressekonferenz.
Inflation bleibt hartnäckig
Der CPI lag mit 3,4 % im Jahresvergleich exakt im Rahmen der Erwartungen. Die Kerninflation lag ebenfalls erwartungsgemäß bei 2,4 %, allerdings stieg sie monatlich mit 0,3 % stärker als die erwarteten 0,2 %. Der PPI ex Food & Energy lag mit 4,6 % ebenfalls genau auf den Erwartungen. Damit gibt es keinen neuen Inflationsschock, aber auch keine klare Entspannung.
Öl bleibt der zentrale Unsicherheitsfaktor
Die Futures-Heatmap zeigt weiterhin einen massiven Energiepreisschock: WTI +9,37 %, Brent +8,65 %, Gasoil +11,94 % und Heating Oil +9,23 %. Auf 4-Wochen-Sicht ist der Anstieg des Ölpreises weiterhin erheblich. Am Freitag fiel Öl jedoch deutlich zurück, und genau diese Entspannung reichte aus, um die Aktienmärkte trotz der höheren Zinserwartungen wieder steigen zu lassen.
Stärke bei einzelnen Technologiewerten
Trotz des makroökonomischen Gegenwinds bleiben die Unternehmensgewinne und insbesondere die AI-Investitionen robust. Das erklärt die relative Widerstandsfähigkeit des Aktienmarktes: Nvidia verlor zwar 4,45 %, während AMD (+13,15 %), Intel (+12,29 %), Micron (+13,06 %) und Texas Instruments (+5,86 %) deutlich zulegten. Der AI-Investitionszyklus bleibt damit grundsätzlich intakt.

Marktphase
50/200-Tage %-Div: +5,81 % – stabiler Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div: +6,46 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
Kurs/50-Tage %-Div: +0,65 % – Aufwärtstrend
RSI: 48,39 – neutral
Wilder-RSI: 45,38 – leicht überverkauft
Marktbreite (% über 200 MA): 59,0 % – Trend unentschlossen
Wochenvolumen-Index (5/20): 1,07 – überdurchschnittlich
Trendkanal: Kurs oberhalb
Die technische Lage hat sich gegenüber der Vorwoche etwas eingetrübt, ohne dass sich der übergeordnete Aufwärtstrend verändert hat. Besonders auffällig ist die Marktbreite: Nur noch 59 % der Aktien notieren oberhalb ihrer 200-Tage-Linie. Damit wird der Aufwärtstrend zunehmend von einem kleineren Teil des Marktes getragen.
Gleichzeitig ist der S&P 500 mit rund 6,5 % weiterhin deutlich von seiner 200-Tage-Linie entfernt. Der RSI von 48,39 und der Wilder-RSI von 45,38 zeigen dagegen keine kurzfristige Überhitzung. Der Markt ist also nicht deshalb „überhitzt“, weil er kurzfristig zu stark gestiegen wäre, sondern aufgrund seiner weiterhin hohen langfristigen Abweichung vom Trend.
Bemerkenswert ist außerdem der Wochenvolumen-Index von 1,07. Der Rücksetzer wird damit nicht von einem völligen Austrocknen des Handels begleitet. Die Zwischenkorrektur am Donnerstag hat den langfristigen vorerst Trend bislang nicht beschädigt. Solange der S&P 500 oberhalb seines langfristigen Trendkanals und der 200-Tage-Linie bleibt, reicht diese Schwäche noch nicht für eine Einstufung als Zwischenkorrektur.

Stand: 2026-09-06
Liquidität & Geldpolitik
Die Zentralbankbilanzen bleiben insgesamt neutral. Die Fed-Bilanz ist leicht gestiegen: Nach zwei rückläufigen Wochen nahm die Bilanz in den vergangenen beiden Wochen wieder zu.
Der 10Y/2Y-Spread liegt mit 0,33 weiterhin in einem gesunden Bereich. Der Rückgang des Spreads um rund 5,4 % auf 5-Tage-Sicht ist allerdings leicht bärisch zu werten.
Der entscheidende Faktor für KW38 ist die Fed-Sitzung am Mittwoch. Die Zinserhöhung um 25 Basispunkte ist mit 87,3 % Wahrscheinlichkeit inzwischen weitgehend eingepreist. Der Markt wird deshalb vor allem auf die Projektionen der Fed und die Aussagen von Fed-Chef Warsh achten. Ein Zinsschritt allein dürfte kaum noch für eine große Überraschung sorgen.
Makroökonomie
Bei den Inflationsdaten der vergangenen Woche wurden weitgehend aller Erwartungen getroffen.
Der Verbraucherpreisindex stieg im August um 0,4 % gegenüber dem Vormonat und um 3,4 % gegenüber dem Vorjahr. Die Kerninflation lag mit 2,4 % ebenfalls im Rahmen der Prognose. Allerdings stieg die Kerninflation monatlich um 0,3 % und damit stärker als die erwarteten 0,2 %.
Auch der Erzeugerpreis ohne Nahrungsmittel und Energie lag mit 4,6 % im Jahresvergleich exakt auf den Erwartungen, nachdem der Wert im Vormonat bei 4,2 % gelegen hatte.
Damit ergibt sich für die Fed ein weiterhin unangenehmes Bild: Die Inflation ist nicht außer Kontrolle und der Rückgang zum 2-%-Ziel kommt nur langsam voran. Gleichzeitig ist der Arbeitsmarkt bislang stabil. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe liegen mit 206.000 niedrig und der 4-Wochen-Trend zeigt sogar eine leichte Verbesserung.
Eine zusätzliche Belastung ist das Verbrauchervertrauen. Der Michigan Consumer Sentiment Index fiel mit 47,8 deutlich unter die Erwartung von 51,0 und den vorherigen Wert von 51,7.
Das makroökonomische Bild bleibt damit widersprüchlich: stabiler Arbeitsmarkt, hartnäckige Inflation und gleichzeitig schwaches Verbrauchervertrauen.
Marktstimmung
VIX: 15,84 – ruhiger Markt
Put/Call-Ratio: 1,89 – Angst, bullisch
Fear & Greed Index: 33 – Hold, Fear
Die Marktstimmung bleibt vorsichtig. Der VIX ist mit 15,84 zwar weiterhin auf einem niedrigen Niveau und signalisiert keinen Stress im Markt. Die Put/Call-Ratio von 1,89 zeigt dagegen eine deutliche Absicherung gegen fallende Kurse.
Auch der Fear-&-Greed-Index ist mit 33 weiterhin im Angstbereich.
Damit entsteht ein interessantes Bild: Die Stimmung ist deutlich vorsichtiger als die Kursentwicklung vermuten lässt. Das spricht eher für den Aktienmarkt, denn ein hoher Grad an Absicherung kann sogar einen gewissen Puffer gegen weitere Rückgänge bilden. Gleichzeitig zeigt die Stimmung, dass die Anleger Ölpreisschock, Inflation und Fed nicht ignorieren.
Rohstoffe
Gold: 4.390,00 USD, -1,51 % (1 Woche) – Risk-on
Öl (WTI): 99,99 USD, +9,37 % (1 Woche) – geopolitischer Schock?
Kupfer: -2,01 % (1 Woche) – Rückgang, Risiko
Öl sorg für einen deutlichen Inflationsimpuls. Gerade deshalb ist die Bewegung vom Freitag wichtig: Öl fiel, während die Aktienmärkte stiegen. Der Markt interpretiert die Ölbewegung damit offenbar zunehmend als entscheidenden kurzfristigen Inflations- und Konjunkturfaktor. Sollte sich der Rückgang fortsetzen, würde das den Druck auf die Fed zumindest teilweise reduzieren.
Kupfer zeigt dagegen ein schwächeres Bild. Kupfer verlor 2,01 %, auf 5-Tage-Sicht liegt der Rückgang sogar bei rund 3,8 %. Auf 4-Wochen-Sicht ist Kupfer mit rund +2,4 % zwar noch leicht positiv, die kurzfristige Dynamik hat sich aber deutlich verschlechtert. Das ist ein Zeichen für leicht abschwächende konjunkturelle Nachfrage.
Gold verlor 1,51 % auf Wochensicht. Trotz geopolitischer Risiken bleibt Gold damit unter Druck. Die Entwicklung bestätigt erneut, wie stark derzeit Zinsen und Renditen den Einfluss auf die Goldpreisentwicklung bestimmen.
Bitcoin
Bitcoin konsolidiert weiterhin auf hohem Niveau bei leicht über 77.000 USD. Bemerkenswert ist die Stabilität angesichts des Ölpreisschocks, der gestiegenen Inflationserwartungen und der inzwischen bei 87,3 % liegenden Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung.
Während Gold in der vergangenen Woche rund 1,5 % verlor, hält sich Bitcoin damit für die Verhältnisse im Kryptomarkt vergleichsweise stabil. Das spricht weiterhin für eine hohe Risikobereitschaft im Kryptomarkt.
Entscheidend bleibt, ob Bitcoin die aktuelle Konsolidierung nach oben auflösen kann. Bis dahin ist die Bewegung eher als Konsolidierung auf hohem Niveau und nicht als neuer Aufwärtsschub zu bewerten.

Ausblick
KW 38 wird ganz klar von der Fed-Sitzung am Mittwoch, 16. September, dominiert.
Um 20:00 Uhr steht der Zinsentscheid an, anschließend folgen die neuen Projektionen und die Pressekonferenz. Mit einer Wahrscheinlichkeit von 87,3 % ist eine Zinserhöhung inzwischen nahezu vollständig eingepreist.
Damit verschiebt sich die entscheidende Frage: Was kommt nach der Zinserhöhung? Wichtiger als die mögliche Zinserhöhung wird der Ausblick der Fed sein.
Der zweite große Faktor bleibt deshalb der Ölpreis. Die Reaktion vom Freitag war bemerkenswert: Trotz der höheren Zinserwartung stiegen die Aktien, während Öl fiel. Sollte sich diese Entspannung beim Ölpreis fortsetzen, könnte sie den negativen Effekt der Fed-Zinserhöhung teilweise oder sogar vollständig kompensieren.
Umgekehrt würde ein erneuter kräftiger Anstieg des Ölpreises die Inflationssorgen zurück in den Vordergrund bringen.
Fazit
Der überhitzte Aufwärtstrend bleibt in KW 37 intakt, auch wenn die Marktbreite mit 59 % weiter nachgibt. Die kurzfristige Überhitzung ist dagegen nicht vorhanden: RSI und Wilder-RSI liegen im neutralen beziehungsweise leicht überverkauften Bereich.
Das entscheidende Signal der vergangenen Woche kam am Freitag: Die Wahrscheinlichkeit einer Fed-Zinserhöhung stieg auf 87,3 %, trotzdem erholte sich der Aktienmarkt bei fallenden Ölpeisen. Das zeigt, dass die Zinserhöhung inzwischen weitgehend eingepreist ist und der Markt momentan stärker auf die Entwicklung des Ölpreises und den künftigen Zinspfad reagiert.
Für KW38 gibt es damit einen klaren Haupttermin: die Fed am Mittwoch. Der Zinsschritt selbst dürfte keine große Überraschung mehr darstellen. Entscheidend werden die Projektionen und die Aussagen über die nächsten Monate.
Der Markt bleibt damit in einer interessanten Phase: Fundamental nehmen die Risiken durch Inflation, Öl und Zinsen zu, technisch ist der Aufwärtstrend aber weiterhin intakt. Die nächsten Wochen bleiben also spannend.
Grundlage für diesen Bericht ist mein automatisiertes Auswertungssystem, welches ich auf YouTube genauer erkläre.