Marktkompass KW 49/2025

Der Markt hat die Zwischenkorrektur überraschend schnell beendet und ist zurück in einen überhitzten Aufwärtstrend gewechselt. Die Kombination aus starker Sektorrotation, deutlich steigender Marktbreite und aggressiven Zinssenkungserwartungen hat die Käufer erneut in den Markt gedrückt – trotz fehlender Inflationsdaten durch den BLS-Shutdown.

Marktphase
Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend
Stand: 2025-11-30

Die entscheidende Kraft der letzten Handelswoche war die Erwartungshaltung, nicht die Datenlage:

  • Laut CME FedWatch liegt die Wahrscheinlichkeit einer Zinssenkung im Dezember bei 86,4 %.
  • Das reichte aus, um die Zwischenkorrektur zu beenden – selbst ohne harte Inflationsdaten.

Der Bondmarkt bestätigt diese Sicht: Der 10Y/2Y-Anleihen-Spread steigt leicht auf 0,55, die Spreads im Vergleich zur Vorwoche drehen ins Positive. Das ist ein klassisches Signal für eine Normalisierung.

Makroökonomisch ist die Datenlage aufgrund des Shutdowns dünn, doch die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe sind mit 216.000 unverändert solide und leicht rückgängig. Ein stabiler Arbeitsmarkt reduziert Rezessionsrisiken und erlaubt der FED gleichzeitig eine vorsichtige Lockerung.

Dabei bleibt die Marktstimmung widersprüchlich. Der VIX signalisiert mit 16,35 eine leichte Unsicherheit, aber keine Nervosität. Das Put/Call-Ratio mit 1,91 zeigt erhöhte Absicherung und der Fear & Greed Index mit 24 immer noch „Extreme Angst“ – beide Indikatoren sind bullisch zu werten. Die Diskrepanz zwischen Kursen und Stimmung zeigt: Der Anstieg wird nicht euphorisch gekauft, sondern vorsichtig. Das spricht trotz Überhitzung für nachhaltige Nachfrage.

Bei den Rohstoffen hat Kupfer wieder sehr stark angezogen, was für Investitionszyklen, industrielle Stärke und zunehmende Produktionserwartungen spricht. Gold bildet mit +3,45 % auf 5 Tage ein klassischen Risk-Off-Signal trotz steigender Aktien. Das Kapital sucht damit Sicherheit und Rendite gleichzeitig. Das passt ideal zum Marktbild eines überhitzten, aber von Angst begleiteten Trends.

Technisch zeigt der Markt wie vor zwei Wochen klare Überhitzung (Abstand 50/200-Tage +8 %, Kurs knapp über Trendkanal), RSI bleibt neutral.

Bei der Marktstruktur ist das schwache Volumen dieser Woche kein Warnsignal – es ist vollständig durch die verkürzte Thanksgiving-Handelswoche erklärbar. Die Marktbreite mit 61,6 % signalisiert aber einen klaren Aufwärtstrend.

Bitcoin befindet sich im Bärenmarkt und bleibt technisch gegenüber dem Aktienmarkt zurück. Die aktuelle Erholung ist positiv, aber charttechnisch unbestätigt. Für eine echte Trendwende müssen drei Marken nachhaltig gebrochen werden: 97.000 relativ schnell, sonst droht kurzfristig der weitere Abverkauf. 107.000, um Anlauf auf 116.000 zu nehmen – eine Hürde die weiterhin überwunden werden muss, um einen erneuten Angriff auf das Allzeithoch zu nehmen. Solange diese Levels nicht fallen, bleibt Bitcoin technisch im Bärenmarkt, unabhängig von kurzfristigen Erholungen.

Bitcoin und Widerstandslinien

Fazit

Der überhitzter Aufwärtstrend bleibt intakt, gestützt durch Liquidität und Erwartungshaltung. Der Markt steigt vorsichtig, während Bitcoin weiter unterperformt.

Für die kommende Handelswoche wünsche ich allen viel Erfolg an der Börse.