Marktkompass KW 52/2025

Marktphase

Der Markt verbleibt weiterhin klar in Phase 2 – überhitzter Aufwärtstrend. Im Vergleich zur Vorwoche zeigt sich ein leicht verändertes Bild: Die technische Überhitzung hat sich moderat abgebaut, ohne dass der Trend Schaden genommen hätte. Der S&P 500 hat die 50‑Tage-Linie im Wochenverlauf kurz angetestet und am letzten Handelstag deutlich zurückerobert – ein klassisches Zeichen für einen intakten, aber sensiblen Trend.

Die Marktbreite ist mit 60,6 % leicht rückläufig (Vorwoche: 63,4 %), bleibt aber über der kritischen 55‑%-Schwelle. Das spricht für strukturelle Stabilität, auch wenn die Rally zunehmend selektiver wird.

Das Wochenvolumen war klar überdurchschnittlich – ein deutlicher Unterschied zur Vorwoche. Das zeigt: Die Käuferseite ist wieder aktiver, und Rücksetzer werden aufgefangen.

Fazit: Der Trend lebt, die Überhitzung kühlt ab, die Struktur bleibt stabil. Ein gesunder, aber reifer Aufwärtstrend.

Marktphase
Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend
Stand: 2025-12-20

Die 50er Linie im S&P 500 wurde gehalten.

Liquidität und Geldpolitik

Die geldpolitische Lage bleibt der zentrale Treiber – und sie hat sich diese Woche verbessert.

  • Der Zinsschritt von –0,25 % von letzter Woche wirkt weiterhin als Signal einer sanften Lockerungsphase.
  • Der 10Y/2Y‑Spread liegt bei 0,68 – ein gesunder, normalisierter Zinsmarkt.
  • Die Dynamik des Spreads (ROC +9,8 %) bleibt bullisch.

Besonders wichtig: Die Zentralbankbilanz der Fed ist diese Woche um über 2 % gestiegen (Vorwoche: +1 %). Ein klarer Hinweis, dass QT nicht nur endet, sondern die Fed bereits wieder in Richtung neutraler bis leicht expansiver Bedingungen steuert.

Japan hat wie erwartet den Leitzins um +0,25 % angehoben. Das war eingepreist und hat global keine Verwerfungen ausgelöst, auch wenn der Zins damit auf den höchsten Stand seit 1995 steigt.

Kurz gesagt: Die Liquidität verbessert sich – langsam, aber eindeutig. Das Umfeld für Risikoassets bleibt damit konstruktiv.

Makroökonomie

Makroökonomisch bleibt das Bild stabil bis leicht positiv.

  • Die Arbeitslosenquote in den USA ist leicht gestiegen und signalisiert einen moderat abkühlenden, aber weiterhin stabilen Arbeitsmarkt.
  • Die Inflation fiel deutlich niedriger aus als erwartet: Der Verbraucherpreisindex lag bei 2,7 % statt der prognostizierten 3 %.

Die Fed bekommt genau das Umfeld, das sie sich wünscht: Ein abkühlender, aber nicht schwacher Arbeitsmarkt – und eine Inflation, die schneller fällt als erwartet.

Das reduziert Rezessionsrisiken und stärkt die Glaubwürdigkeit des Lockerungspfads.

Marktstimmung

Die Stimmung ist neutral bis leicht defensiv – und damit weiterhin bullisch.

  • VIX: 14,91 – ruhiger Markt
  • Put/Call-Ratio: 1,32 – neutral, keine extreme Absicherung
  • Fear & Greed Index: 45 – neutral, keine Euphorie

Die Kombination aus ruhigem Markt, neutraler Absicherung und fehlender Gier spricht für ein Umfeld, in dem Trends eher fortgesetzt als beendet werden.

Rohstoffe

Das Rohstoffbild bleibt konstruktiv:

  • Gold: +0,93 % auf Wochensicht – neutral, aber weiterhin hoch.
  • Öl: leicht rückläufig über 4 Wochen, neutral über 1 Woche – keine konjunkturelle Aussagekraft.
  • Kupfer:
    • +2,4 % (1 Woche)
    • +17,7 % (4 Wochen) → starker Aufwärtstrend, klare Nachfrage, positives Signal für Industrie und Zyklus.

Kupfer bestätigt damit das Bild eines späten, aber funktionierenden Wirtschaftszyklus.

Technische Indikatoren

Die technische Lage hat sich gegenüber der Vorwoche entspannt, ohne bullische Strukturen zu verlieren.

  • Der S&P 500 bleibt klar über der 50- und 200‑Tage-Linie.
  • Die Distanz zur 200‑Tage-Linie bleibt hoch (8,75 %), aber verringert sich leicht.
  • Die Distanz zur 50‑Tage-Linie liegt bei nur 1,0 % – ein Zeichen, dass Überhitzung abgebaut wurde.
  • Der RSI bei 41 und der Wilder‑RSI bei 38 zeigen eine leichte Überverkauftheit – ein bullisches Setup in einem intakten Trend.
  • Das Volumen ist stark – ein wichtiger Unterschied zur Vorwoche.

Wichtig: Der Test der 50‑Tage-Linie und die anschließende Rückeroberung am Freitag sind ein klassisches Trendbestätigungssignal.

Fazit Technik: Trend intakt, Überhitzung abgebaut, Momentum stabilisiert sich. Ein konstruktives Setup für die letzten Handelstage des Jahres.

Bitcoin

Bitcoin bleibt technisch im Bärenmarkt in der bekannten Range zwischen 84.000 – 94.000 USD. Die Dynamik bleibt schwach, das Volumen gering. Die Erholung ist weiterhin korrektiv. Rund um den 26.12. ist aufgrund großer Optionsverfälle und Market‑Maker‑Positionierung mit erhöhter Volatilität zu rechnen – allerdings ohne klare Trendimplikation.

Erst ein Ausbruch über 116.000 USD würde den Bärenmarkt beenden.

Ausblick auf die kommende Handelswoche

Der Fokus verschiebt sich von der Inflation hin zur realwirtschaftlichen Entwicklung.

Wichtiger Termin: Dienstag, 23.12.2025 – US‑BIP (annualisiert)

  • Prognose: +3,2 %
  • Vorwert: +3,8 %

Ein starkes BIP würde das Bild eines robusten, aber nicht überhitzten Zyklus bestätigen. Ein schwaches BIP könnte kurzfristig Volatilität auslösen, aber aufgrund der fallenden Inflation wäre das Risiko eines Trendbruchs gering.

Szenarien für KW 52/53:

  1. Fortsetzung des Aufwärtstrends, getragen von stabiler Liquidität und entspannter Stimmung.
  2. Seitwärtsphase mit erhöhter Volatilität, falls das BIP stark vom Konsens abweicht.
  3. Kurzfristige technische Rücksetzer bleiben möglich, aber trendkonform.

Das Volumen wird jedoch aufgrund der Feiertage sehr gering sein. Die Börse ist am 24.-26. geschlossen und die Handelswoche daher stark verkürzt.

Entscheidend für die kommenden Wochen bleibt: Die Liquidität verbessert sich – und solange die 50‑Tage-Linie hält, bleibt der Aufwärtstrend der aktuellen Phase intakt. Auch für den übergeordneten Aufwärtstrend hat der Kurs mit einem Abstand von über 8% zur 200-Tage-Linie ausreichend Puffer.