Marktkompass KW 01/2026

Marktphase

Die letzte Handelswoche bestand nur aus zwei Tagen. Dennoch erreichten Gold, Silber und S&P 500 neue Höchststände. Der Markt verbleibt weiterhin in Phase 2 – überhitzter Aufwärtstrend. Im Vergleich zur Vorwoche zeigt sich jedoch eine zunehmende Reife des Trends bei gleichzeitig nachlassender innerer Dynamik.

Der S&P 500 notiert weiter klar über der 50- und 200-Tage-Linie. Die prozentuale Distanz zur 200-Tage-Linie liegt bei rund 9,6 % und signalisiert weiterhin einen intakten Primärtrend, jedoch mit wachsender Überdehnung. Die Marktbreite liegt bei 63 % über der 200-Tage-Linie. Das Wochenvolumen bleibt mit einem Index von 0,84 klar unterdurchschnittlich – aufgrund der Feiertage war das zu erwarten.

Fazit Marktphase:
Der Trend lebt, aber er trägt sich nicht mehr aus eigener Kraft. Die Struktur ist stabil, die Dynamik nimmt ab. Klassisches Bild eines späten Aufwärtstrends ohne unmittelbares Trendbruchsignal.

Marktphase
Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend
Stand: 2025-12-28

Liquidität und Geldpolitik

Die geldpolitische Lage bleibt neutral bis leicht unterstützend, ohne neue Impulse.

  • Fed-Leitzins: 3,64 % – neutral
  • 10Y/2Y-Spread: +0,68 → gesunder Zinsmarkt
  • ROC des Spreads: +3,9 % → leicht bullisch

Daten sprechen gegen eine erwartete Rezession, aber auch gegen eine neue expansive Phase. Die Zentralbanken stabilisieren, treiben aber nicht. Liquidität ist vorhanden, wächst jedoch nicht dynamisch. Für Risikoassets bedeutet das: Tragen statt Treiben.

Makroökonomie

Makroökonomisch bleibt das Bild erstaunlich robust.

  • Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 214.000
  • 4-Wochen-Trend: –1,6 % → Arbeitsmarkt stabil bis leicht stärker

Kein Stresssignal, keine Rezessionsdynamik. Gleichzeitig fehlt der Überhitzungsdruck. Das Umfeld bleibt makroökonomisch tragfähig, aber ohne neue Beschleunigung.

Marktstimmung

Die Marktstimmung ist ruhig, aber widersprüchlich.

  • VIX: 13,6 → sehr ruhiger Markt
  • Put/Call-Ratio: 1,73 → hohe Absicherung, konträr bullisch
  • Fear & Greed Index: 56 → Vorsicht mit leichter Gier

Ein ruhiger Markt bei gleichzeitig hoher Absicherung spricht nicht für Euphorie, sondern für latente Unsicherheit unter der Oberfläche.

Rohstoffe

Das Rohstoffbild ist eines der klarsten Signale im aktuellen Umfeld.

Gold mit +4,6 % auf 5-Tages-Sicht zeigt ein klares Risk-Off-Signal, Absicherung dominiert.

Öl ist kurz- und mittelfristig leicht rückläufig und ist neutral zu werten, keine konjunkturelle Eskalation.

Kupfer mit +5,2 % (1W) und +17,0 % (4W) ist in einem starken Aufwärtstrend, signalisiert robuste industrielle Nachfrage.

Fazit Rohstoffe:
Die Kombination aus starkem Gold und starkem Kupfer ist ungewöhnlich, spricht für Absicherung auf der einen Seite und reale Nachfrage auf der anderen. Damit liegt kein Rezessionssignal vor, aber ein Warnsignal für steigende Unsicherheit.

Technische Indikatoren (S&P 500)

  • Trend über 50- und 200-Tage intakt
  • Distanz zur 200-Tage-Linie: +9,6 % zeigt Überdehnung
  • Distanz zur 50-Tage-Linie: +2,0 % ist moderat
  • RSI / Wilder-RSI: ~56–57 ist neutral
  • Marktbreite: bleibt stabil, aber nicht zunehmend
  • Volumen feiertagsbedingt schwach

Fazit Technik:
Kein Top, aber ein Markt, der ohne frische Liquidität kaum weiter beschleunigen kann. Rücksetzer wären technisch gesund und trendkonform.

Bitcoin

Bitcoin bleibt der Frühindikator – und bestätigt die Vorsicht.

  • Schwache Dynamik
  • Kein Momentum
  • Kein Volumen
  • Trotz ATHs im S&P 500 keine Bestätigung

Der Bitcoin zieht aktuell nicht nach. Die Schwäche ist kein allgemeines bärisches Signal, sondern – auch bestätigt durch den starken Zuwachs bei Gold – ein Hinweis auf fehlenden Risk-Appetit.

Jahres-Résumé 2025

2025 war für Aktienanleger ein nominal starkes Jahr, ist aber differenziert zu betrachten:

  • S&P 500: ist deutlich positiv, neues Allzeithoch in USD
  • USD/EUR: spürbare USD-Abwertung
    • Für europäische Investoren fällt die reale daher Rendite deutlich geringer aus als die Schlagzeilen suggerieren.

Viele Gewinne waren Währungs- und Bewertungsgetrieben, weniger fundamental breit getragen. Das erklärt auch die aktuelle Marktstruktur.

Ausblick KW 01/2026

  • Keine relevanten Makrodaten
  • voraussichtlich sehr geringes Volumen
  • US-Börse am 01.01. geschlossen

Wahrscheinlichstes Szenario ist eine Seitwärtsbewegung mit niedriger Volatilität. In der Woche wird es eher keine Trendentscheidung geben.

Handlungsempfehlung

Diese ruhige Phase ist kein Anlass für Aktionismus, sondern für Strukturarbeit:

  • Depot sichten
  • Performance ehrlich messen (inkl. Währungseffekt)
  • Gewinner und Verlierer überprüfen
  • Trades und Investmentthesen kritisch hinterfragen
  • Cashquote und Risikostruktur prüfen

Fazit:
Der Markt ist stabil, aber nicht mehr sorglos. Wer jetzt Ordnung schafft, handelt antizyklisch klug. Der nächste größere Impuls kommt – aber nicht zufällig, sondern aus der Liquiditätsentwicklung.

Auf Basis der aktuellen Marktstruktur ist für 2026 eine Rotation wahrscheinlicher als ein Trendbruch. In überdehnten Aufwärtstrends konsolidieren häufig die wenigen Titel, die den Markt bisher getragen haben, während bislang schwächere oder vernachlässigte Werte nachziehen.