Marktkompass KW 03/2026

Marktphase

Der Markt verbleibt in Phase 2 – überhitzter Aufwärtstrend, zeigt jedoch eine strukturelle Verbesserung gegenüber der Vorwoche.

Trotz neuer Hochs nimmt die technische Überdehnung ab. Der Abstand zwischen zwischen 50- und 200-Tage-Linie verkleinert sich, da die gleitenden Durchschnitte aufholen. Das ist ein konstruktives Signal und spricht für einen reifenden, nicht für einen instabilen Trend.

Die Marktbreite steigt deutlich auf 67,6 % über der 200-Tage-Linie. Damit wird der Anstieg breiter abgestützt. Das Wochenvolumen bleibt mit 0,91 unterdurchschnittlich – typisch für einen ruhigen, nicht euphorischen Markt.

Breite Marktstärke in KW 2, bis auf wenige große Einzeltitel und Versorger

Auch der Wochenvergleich bei finviz.com bestätigt die zunehmende Marktbreite: Der Anstieg wird nun wesentlich breiter getragen. Neben den Technologiewerten zeigen auch Finanz-, Energie- und Gesundheitssektor positive Impulse. Auffällig ist, dass lediglich einzelne große Titel wie AAPL, NVDA und AMD und die Versorger unterdurchschnittlich performten. Diese selektive Schwäche spricht nicht gegen den Trend, sondern unterstreicht die Rotation in bislang weniger beachtete Sektoren.

Fazit Marktphase:
Später Aufwärtstrend, aber stabiler als in den Vorwochen. Keine Top-Struktur, keine Beschleunigungsphase.

Marktphase
Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend
Stand: 2026-01-10

Liquidität und Geldpolitik

Die Geldpolitik bleibt formal neutral, bilanziell jedoch weiter restriktiv.

Der Zinsmarkt ist mit einem 10Y/2Y-Spread von +0,64 gesund. Das Aussetzen eins Zinsschritts am 28. Januar ist bereits mit einer Wahrscheinlichkeit von 95,6% nahezu vollständig vom Markt eingepreist.

Die Entwicklung der Zentralbankbilanz zeigt:

  • +0,9 % am 31.12.2025
  • –1,0 % am 07.01.2026

Diese Bewegung ist kein QE-Signal – wie im letzten Marktbericht erhofft – sondern sehr wahrscheinlich eine Jahresendverzerrung. Die anschließende Reduktion bestätigt: QT läuft weiter.

Der WALC-Liquiditätskompass liegt aktuell bei 29,4 von 100 Punkten:

  • restriktiv
  • abflachend
  • nicht expansiv

Fazit Liquidität:
Es gibt keine neue Liquiditätswelle, aber auch keine Verschärfung. Der Markt lebt von der Erwartung kommender Lockerung – nicht von aktueller Expansion.

Makroökonomie

Die US-Arbeitsmarktdaten zeigen ein kontrolliertes Abkühlen:

  • Nonfarm Payrolls: +50 Tsd. (unter Prognose)
  • Löhne YoY: 3,8 % (leicht über Prognose)
  • Löhne MoM: 0,3 %

Das ist kein Inflationsschock, aber auch keine Rezession. Genau dieses Umfeld schafft geldpolitischen Spielraum. Es liegt also eine Abkühlung ohne Bruch vor. Das ist unterstützend für Risikoassets.

Marktstimmung

  • VIX: 14,5 – ruhiger Markt
  • Put/Call-Ratio: 1,88 – hohe Absicherung
  • Fear & Greed: 51 – neutral

Keine Euphorie, keine Panik. Die Positionierung bleibt defensiv. Dieses widersprüchlich Bild ist konstruktiv und spricht für tragfähige Trends.

Rohstoffe

  • Gold: +4,1 % (5 Tage) – temporäres Risk-Off-Signal
  • Öl: leicht steigend – keine Stressanzeichen
  • Kupfer: +13 % (4 Wochen) – starke industrielle Nachfrage

Fazit Rohstoffe:
Kein Rezessionssignal. Das Kupfer bestätigt die Konjunkturstabilität.

Technische Indikatoren (S&P 500)

  • Trend über 50 & 200 Tage intakt
  • Abstand Kurs/200 T: +9,2 %, kurzfristig überhöht
  • 50/200-MA-Abstand: +7,1 %, rückläufig
  • RSI / Wilder RSI: >73 – überkauft
  • Marktbreite: steigend
  • Volumen: schwach

Fazit Technik:
Überkauft, aber gesünder als zuvor. Keine Top-Warnung.

Bitcoin

Bitcoin zeigt eine technische Erholung und notiert weiterhin über 90.000 USD. Das Volumen bleibt niedrig, die Struktur unverändert schwach.

Solange die zentralen Widerstände nicht überwunden werden, bleibt es eine Gegenbewegung, keine Trendwende.

Ausblick KW 03/2026

Der Fokus liegt klar auf den Inflationsdaten aus den USA:

Dienstag, 13.01.

  • Verbraucherpreisindex (Headline & Core)

Mittwoch, 14.01.

  • Erzeugerpreisindex (Core)
  • Einzelhandelsumsätze

Diese Daten entscheiden, ob:

  • schwächere Inflation = Entlastung für Zinsen
  • oder Inflationspersistenz = temporärer Gegenwind

Fazit

Kommende Woche ist Volatilität aufgrund der Inflationsdaten möglich, ein Trendbruch eher unwahrscheinlich. Solange Inflation nicht erneut beschleunigt, bleibt der Markt konstruktiv getragen – trotz restriktiver Bilanz.

Bemerkenswert ist die Stärke der Märkte trotz geopolitischer Eskalation in Venezuela. Der Konflikt blieb lokal begrenzt und hatte keine systemischen Auswirkungen auf Energiepreise oder globale Lieferketten. Die klare Durchsetzung wirtschaftlicher Interessen durch die USA wurde vom Markt nicht als Risiko, sondern als stabilisierender Faktor interpretiert.

Das unterstreicht einmal mehr: Solange kein systemischer Schock vorliegt, reagieren Märkte primär auf Liquidität, Zinserwartungen und harte Daten – nicht auf politischen Lärm. Wer sich auf Zahlen und Struktur konzentriert, trifft in solchen Phasen die besseren Entscheidungen.