Marktkompass KW 04/2026
Marktphase
Der Markt verbleibt in Phase 2 – überhitzter Aufwärtstrend, ohne strukturelle Entspannung.
Die technische Überdehnung bleibt bestehen: Der Abstand zwischen Kurs und 200-Tage-Linie liegt bei +8,4 %, die 50/200-Tage-Divergenz bei +6,8 %. Das ist kein Extremwert, aber auch kein Zeichen für eine Reifung des Trends. Die Marktbreite steigt leicht auf 69 % über der 200-Tage-Linie – ein stabilisierender Faktor. Das Wochenvolumen liegt mit 1,08 überdurchschnittlich, was auf eine gesunde Markttiefe hindeutet.
Fazit Marktphase: Trend intakt, aber weiterhin überhitzt. Keine neue Beschleunigung, keine Korrektur.
Stand: 2026-01-17
Liquidität und Geldpolitik
Die Geldpolitik bleibt formal neutral, bilanziell jedoch restriktiv.
- Der 10Y/2Y-Spread liegt bei +0,65 – ein Zeichen für einen gesunden Zinsmarkt.
- Die Veränderung der Zentralbankbilanz zeigt nach dem starken Rückgang in KW 1 (+0,9 % => –1,0 %) nun eine leichte Stabilisierung (+0,12 %). Das ist kein expansives Signal, aber auch keine Verschärfung.
- Der WALC-Kompass bestätigt: restriktiv => abflachend, nicht expansiv.
- Die Wahrscheinlichkeit für ein Aussetzen des Zinsschritts am 28. Januar liegt bei 95,6 % – also nahezu vollständig eingepreist.
Fazit Liquidität: Keine neue Liquiditätswelle, aber auch keine Bremse. Der Markt lebt von der Erwartung kommender Lockerung – nicht von aktueller Expansion.
Makroökonomie
Die Inflationsdaten liefern ein gemischtes, aber insgesamt konstruktives Bild.
Verbraucherpreise (CPI)
- Core CPI YoY: 2,6 % (besser als erwartet)
- Core CPI MoM: 0,2 % (unter Prognose)
- Headline CPI stabil bei 2,7 %
Das bestätigt: keine erneute Inflationsbeschleunigung. Genau das braucht der Markt.
Erzeugerpreise (PPI)
- Core PPI YoY: 3,0 % (schlechter als erwartet)
- Anstieg gegenüber dem Vormonat
Das ist der Haken: Der Kostendruck auf Produzenten nimmt leicht zu. Noch kein Problem, aber ein Frühindikator, den man ernst nehmen sollte.
Arbeitsmarkt
- Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 198.000
- 4W-Durchschnitt rückläufig
- Beschäftigungswachstum schwach, aber stabil
Fazit Makro:
Kein Inflationsschock, keine Rezession. CPI entlastet die Zinsen, PPI mahnt zur Wachsamkeit. Genau diese Kombination erklärt die aktuelle Seitwärtskonsolidierung auf hohem Niveau.
Marktstimmung
- VIX: 15,86 – ruhiger Markt
- Put/Call-Ratio: 1,91 – hohe Absicherung, konträr bullisch
- Fear & Greed: 62 – vorsichtige Gier
Keine Euphorie, aber steigende Risikobereitschaft. Die Positionierung bleibt defensiver, als die Kurse vermuten lassen.
Fazit Stimmung:
Nicht überhitzt im Verhalten, nur im Preis.
Rohstoffe
- Gold: +1,65 % (5 Tage) – temporäres Risk-Off-Signal
- Öl: +4,37 % (4 Wochen) – Trend bullisch, keine Stressanzeichen
- Kupfer: +13,86 % (4 Wochen) – starke industrielle Nachfrage
Fazit Rohstoffe: Kupfer bestätigt Konjunkturstabilität, Gold zeigt Absicherungsbedarf. Kein Rezessionssignal.
Technische Indikatoren (S&P 500)
- Trend über 50 & 200 Tage intakt
- Kurs/200Tage-Div: +8,4 % – überhitzt
- RSI: 51,5 – neutral
- 50/200-MA-Distanz: +6,8 % – leicht überdehnt
- Marktbreite: steigend auf 69% über 200 MA
- Volumen: überdurchschnittlich
Fazit Technik: Trend intakt, aber keine Entspannung. Überhitzung bleibt bestehen, jedoch ohne akute Top-Warnung.
Bitcoin
Bitcoin notiert bei 95.152 USD und zeigt keine Trendwende.
Die Struktur ähnelt einer Bärenflagge, das Volumen bleibt niedrig. Der Kurs liegt unter der 200-Tage-EMA (99.467 USD). Solange kein Ausbruch erfolgt, bleibt es nur eine Gegenbewegung.
Fazit Bitcoin: Technisch schwach, kein bestätigter Trendwechsel.

Ausblick KW 04/2026
Die kommende Woche bringt neue Impulse:
Donnerstag, 22.01.
- Bruttoinlandsprodukt (annualisiert)
- Kernrate der persönlichen Konsumausgaben (PCE) – Preisindex (Jahr & Monat)
Freitag, 23.01.
- Geldpolitische Entscheidung der BoJ
- S&P Global PMI (Manufacturing & Services)
Fokus:
- Das BIP wird zeigen, ob die Konjunktur trotz robuster Konsumdaten an Fahrt verliert.
- Die PCE-Daten sind für die Fed besonders relevant – sie entscheiden, ob die Inflation weiter unter Kontrolle bleibt.
- Die BoJ-Entscheidung könnte den Yen und damit globale Kapitalflüsse beeinflussen.
Fazit
Der Markt bleibt konstruktiv getragen – trotz restriktiver Bilanz und technischer Überdehnung. Volatilität bleibt möglich, ein Trendbruch eher unwahrscheinlich.
Wer jetzt aggressiv nachkauft, handelt nicht rational, sondern emotional. Geduld, Struktur und Risikokontrolle bleiben entscheidend.
