Marktkompass KW 06/2026

Marktphase

Der Markt verbleibt klar in Phase 2 – überhitzter Aufwärtstrend. An der übergeordneten Struktur hat sich trotz hoher Volatilität wie letzte Woche nichts Grundlegendes geändert: kein Trendbruch, keine bestätigte Zwischenkorrektur, aber weiterhin keine echte Entspannung der Überdehnung.

Die technischen Kennzahlen bestätigen das Bild:

  • 50/200-Tage-Divergenz: +6,20 % – leichte Blasenbildung
  • Kurs/200-Tage-Divergenz: +7,46 % – Aufwärtstrend, Vorsicht angebracht
  • Marktbreite: 67,2 % über 200 MA – stabil, leicht rückläufig
  • Wochenvolumen-Index (5/20): 0,94 – schwächeres Volumen, geringere Markttiefe

Auffällig: Der Markt hält sich über der 50-Tage-Linie, aber mit nachlassender Überzeugung. Käufer sind noch da, agieren jedoch selektiver. Markterwartung wegen Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Fed-Chef neu ausgerichtet.

Fazit Marktphase:
Trend intakt, Überhitzung bleibt bestehen. Die Marktstruktur ist stabil, aber anfälliger geworden.

Marktphase
Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend
Stand: 2026-03-14

S&P500 konnte ohne Zwischenkorrektur der 50er Linie verteidigen

Liquidität und Geldpolitik

Der erwartete FED-Zinsentscheid am 28. Januar brachte keine Überraschung: kein Zinsschritt, Leitzins weiterhin bei 3,64 %.

Der Fokus verlagerte sich – wie erwartet – vollständig auf den Ausblick.

  • 10Y/2Y-Anleihen-Spread: +0,74 – gesunder Zinsmarkt
  • ROC (5D/1W): +6,99 % – leicht bullisch, steigende Wachstumserwartungen
  • WALC-Score: 34,99 – restriktiv – abflachend, aber nicht expansiv

Die Zentralbankbilanz zeigt eine minimale Ausweitung, jedoch ohne Relevanz. Das ist keine Liquiditätsexpansion, sondern reines Rauschen.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die FED die Zinsen auch am 18. März unverändert lässt, liegt bei 86,6 %. Der Markt preist weiterhin Stabilität ein – keine Lockerung, aber auch keine zusätzliche Bremse.

Fazit Liquidität:
Der Markt läuft weiterhin auf Erwartung, nicht auf Geldzufluss. Liquidität stützt nicht – sie widerspricht aber auch nicht.

Makroökonomie

Die Makrodaten zeigen ein uneinheitliches, aber insgesamt stabiles Bild.

Arbeitsmarkt

  • Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 209.000
  • 4W-Durchschnitt: leicht steigend
    Der Arbeitsmarkt bleibt stabil, verliert aber weiter an Dynamik. Kein Rezessionssignal, aber auch kein Beschleuniger.

Inflation und Erzeugerpreise bleiben gegenüber der Vorwoche unverändert.

Fazit Makro:
Keine Rezession, keine Inflationseskalation. Die Wirtschaft läuft weiter, aber mit abnehmender Dynamik. Genau dieses Umfeld begünstigt Seitwärtsphasen auf hohem Niveau.

Marktstimmung

  • VIX: 17,44 – erhöhte Unsicherheit
  • Put/Call-Ratio: 1,86 – Angst, konträr bullisch
  • Fear & Greed: 58 – vorsichtige Gier

Bemerkenswert: Trotz massiver politischer und geldpolitischer Schlagzeilen bleibt die Stimmung kontrolliert. Absicherung ist hoch und Euphorie fehlt.

Fazit Stimmung:
Der Markt ist nervös, aber nicht irrational. Preis hoch, Verhalten diszipliniert.

Rohstoffe

Hier zeigen sich die stärksten Verschiebungen der Woche. Auslöser war die Nominierung von Kevin Warsh zum neuen Fed-Chef durch Trump.

  • Gold: –2,57 % (5 Tage) – klares Risk-On-Signal, am Freitag -10%
  • Silber: am Freitag: -30%
  • Öl (USO):
    • 5 Tage: +4,95 %
    • 4 Wochen: +15,37 % – geopolitischer Schock
  • Kupfer:
    • 5 Tage: –5,92 % – kurzfristiger Rückgang
    • 4 Wochen: +12,94 % – übergeordneter Aufwärtstrend intakt

Der starke Ölpreisanstieg reflektiert geopolitische Spannungen (USA/Iran), während der Rückgang bei Gold und Kupfer kurzfristige Umschichtungen signalisiert.

Fazit Rohstoffe:
Kein Rezessionssignal. Aber: Energiepreise erhöhen den Inflationshebel, während Edelmetalle Vertrauen in Geldpolitik signalisieren.

Starker Abverkauf von Gold am Freitag

Technische Indikatoren (S&P 500)

  • Trend über 50 & 200 Tage intakt
  • RSI: 51,9 / Wilder-RSI: 55,2 – neutral
  • Kurs/50-Tage: +1,26 % – kein Momentum-Exzess
  • Volumen: unterdurchschnittlich

Fazit Technik:
Der Markt konsolidiert über die Zeit, nicht über Preis. Das ist konstruktiv, aber fragil. Neue Hochs ohne Volumen wären ein Warnsignal.

Bitcoin

Bitcoin notiert bei rund 78.800 USD und steht klar unter Druck.

Die USD-Stärke wirkt kurzfristig belastend. Der Kurs testete erneut den Bereich um 74.000 USD, konnte ihn jedoch verteidigen. Technisch bleibt Bitcoin angeschlagen, fundamental unverändert.

Die Nominierung von Kevin Warsh spricht kurzfristig gegen Bitcoin: QT-Fokus, hohe Realzinsen, starker Dollar. Langfristig ändert sich jedoch nichts an der strukturellen Rolle von Bitcoin als alternatives Geldsystem mit absolutem Alleinstellungsmerkmal.

Fazit Bitcoin:
Kurzfristig schwach, langfristig unverändert. Geduld bleibt Pflicht. Größere Nachkaufgelegenheiten könnten 2026 entstehen.

Antesten des Unterstützungsbereichs um 74.000 USD

Politische Ereignisse und Marktreaktion

Die vergangene Woche markiert einen politischen Wendepunkt: Trump nominiert Kevin Warsh als künftigen FED-Chef. Die republikanische Mehrheit im Senat macht Bestätigung wahrscheinlich. Warsh steht in der Vergangenheit für:

  • strikte Geldpolitik
  • Fokus auf monetäre Glaubwürdigkeit
  • Akzeptanz von QT und positiven Realzinsen

Die Marktreaktion war eindeutig:

  • Gold: zweistellige Abverkäufe
  • Silber: massive Korrektur
  • Bitcoin: erneuter Test zentraler Unterstützungen
  • Aktienmarkt: erstaunlich robust über der 50-Tage-Linie

Der Markt nimmt die Nominierung ernst, aber verfällt nicht in Panik.

Die Nominierung von Kevin Warsh markiert einen möglichen Wendepunkt für die US-Geldpolitik. Im Fokus steht weniger der Leitzins, sondern die Wiederherstellung monetärer Glaubwürdigkeit. Ein realistischer Vertrauensanker für den USD entsteht durch ein Bündel aus:

  • konsequentem Quantitative Tightening
  • zeitweise positiven Realzinsen
  • stärkerer Rolle von Gold als Reserve-Asset
  • strategischer Einbindung regulierter USD-Stablecoins (globale Erweiterung des USD-Währungsraums)

Bitcoin fungiert dabei nicht als offizieller Anker, sondern als externer Referenzmaßstab: Je glaubwürdiger die Geldpolitik, desto geringer der Kapitalabfluss in alternative Geldsysteme.

Fazit Politik:
2026 dürfte damit weniger ein Jahr monetärer Expansion, sondern eines der Disziplinierung, Neuordnung und erhöhten Marktvolatilität werden.

-30% Tagesverlust bei Silber

Ausblick KW 06/2026

Im Fokus der kommenden Woche:

Montag, 02.02.

  • USA ISM Manufacturing PMI

Mittwoch, 04.02.

  • Eurozone CPI
  • USA ADP Employment Change
  • USA ISM Services PMI

Donnerstag, 05.02.

  • EZB Zinsentscheid (Deposit & Main Refinancing Rate)

Freitag, 06.02.

  • USA Nonfarm Payrolls
  • Michigan Consumer Sentiment

Der Arbeitsmarktbericht wird entscheidend: Jede Abweichung vom stabilen Pfad kann Volatilität auslösen.

Fazit

Der Markt bleibt tragfähig, aber empfindlich. Die Nominierung von Kevin Warsh verändert den mittelfristigen geldpolitischen Erwartungshorizont, nicht aber den aktuellen Trend. Dennoch gilt durch die mögliche Änderung der Geldpolitik für 2026: USD stark, Realzinsen hoch, Aktien selektiv gut, Gold & Bitcoin schwächer.

Wer jetzt aggressiv kauft, ignoriert Risiko. Wer Struktur hält, Liquidität respektiert und Geduld zeigt, verschafft sich einen Vorteil. Geduld bleibt der entscheidende Faktor.