Marktkompass KW 12/2026

Kurzfazit der Woche

Die Märkte standen in der letzten Handelswoche weiterhin unter dem Einfluss des geopolitischen Konflikts im Nahen Osten. Der starke Anstieg der Energiepreise erhöht die Inflationssorgen, während gleichzeitig schwächere Konjunkturdaten aus den USA das Risiko einer Stagflation in den Fokus rücken.

Die Aktienmärkte bewegen sich aktuell in einer technischen Entscheidungsphase: Der S&P 500 testete anfangs der Woche die 200-Tage-Linie, konnte sich zwar zur Wochenmitte erholen, sackte aber zum Wochenende wieder Richtung der Linie herab.

Antesten der 200-Tage-Linie

Markttreiber der Woche

1. Iran-Konflikt und Energieschock
Die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt angespannt. Der Konflikt zwischen Iran und Israel/USA hat sich weiter verschärft und führt weiterhin zu starken Bewegungen an den Energiemärkten.

Der Ölpreis liegt inzwischen wieder deutlich über 100 USD. Hintergrund sind Sorgen über mögliche Lieferstörungen im Persischen Golf und eine teilweise Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs in der Straße von Hormus, einer der wichtigsten Ölhandelsrouten der Welt. Ebenso haben Katar und Irak die Förderung gestoppt.

Der Energieschock erhöht kurzfristig den Inflationsdruck und verschiebt damit Zinssenkungserwartungen weiter nach hinten.

2. Extreme Volatilität bei Rohstoffen
Die Rohstoffmärkte zeigen aktuell eine ungewöhnlich starke Divergenz. Energie und Agrarrohstoffe steigen deutlich, während Metalle und Edelmetalle unter Druck geraten.

Ein wichtiger Faktor ist der starke US-Dollar, der Rohstoffe für internationale Käufer verteuert. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass aktuell Kapital in Liquidität und sichere Währungen fließt.

3. Anpassung der Zinserwartungen
Durch den Energieschock steigen die Inflationserwartungen wieder leicht an. Auch die Anleiherenditen sind zuletzt gestiegen. Gleichzeitig erwartet der Markt kurzfristig keine Zinssenkung der US-Notenbank. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Fed die Zinsen bei der Sitzung am 18. März unverändert lässt, liegt laut CME Group derzeit bei 98,1 %.

4. Schwächere Konjunkturdaten aus den USA
Die veröffentlichten Wirtschaftsdaten zeigen ein gemischtes Bild. Während die Inflationsdaten weitgehend den Erwartungen entsprachen, fiel das Wirtschaftswachstum deutlich schwächer aus als prognostiziert.

5. Kapitalrotation in Energie- und Rohstoffwerte
An den Aktienmärkten ist eine klare Sektorrotation sichtbar. Kapital fließt verstärkt in Energieunternehmen und Rohstoffproduzenten, während zyklische Industriewerte und Technologiewerte teilweise unter Druck geraten.

    Diese Entwicklung ist typisch für Phasen steigender Rohstoffpreise.

    Wochenperformance S&P500, Visualisierung von finviz.com

    Marktphase

    Der Markt befindet sich weiterhin in einer Zwischenkorrektur.

    Mehrere technische Faktoren bestätigen dieses Bild:

    50/200-Tage-Div: +4,26 % – stabiler langfristiger Aufwärtstrend
    Kurs / 200-Tage-Div: +0,46 % – Test der langfristigen Trendlinie
    Kurs / 50-Tage-Div: –3,80 % – kurzfristige Schwäche

    Der S&P 500 hat in der vergangenen Woche die 200-Tage-Linie getestet und sich zum Wochenende wieder dieser Zone angenähert.

    Damit entsteht eine entscheidende technische Situation:

    • Hält die 200-Tage-Linie, bleibt die Bewegung eine normale Zwischenkorrektur.
    • Fällt der Markt darunter, könnte eine neue Marktphase beginnen.

    Auch die Marktbreite bestätigt diese Unsicherheit: 49,8 % der Aktien liegen über ihrer 200-Tage-Linie.

    Fazit Marktphase
    Der Markt befindet sich damit in einer klaren Übergangsphase.

    Marktphase
    Phase 3 – Zwischenkorrektur
    Stand: 2026-03-13

    Liquidität & Geldpolitik

    Die geldpolitische Lage bleibt weiterhin neutral.

    10Y / 2Y Spread: 0,55 – gesunde Zinsstruktur
    Spread-ROC: –2,12 % – leicht rückläufige Dynamik

    Die Zentralbankbilanzen zeigen ebenfalls kein klares Signal für zusätzliche Liquidität.

    Fazit Geldpolitik
    Die Geldpolitik liefert aktuell keinen zusätzlichen Rückenwind für die Märkte, wirkt aber auch nicht stark bremsend.

    Der entscheidende Faktor bleibt daher weiterhin die geopolitische Lage und die Entwicklung der Inflation.

    Makroökonomie

    Die Inflationsdaten der vergangenen Woche lagen im Rahmen der Erwartungen.

    USA Consumer Price Index (YoY)
    2,4 % – exakt im Rahmen der Prognosen

    Kern-CPI (YoY)
    2,5 % – ebenfalls wie erwartet

    Auch der PCE-Preisindex bestätigte dieses Bild.
    PCE Kernrate (MoM)
    0,4 % – wie erwartet

    Problematischer war dagegen das Wirtschaftswachstum. Das deutlich schwächere US-BIP deutet darauf hin, dass sich die Wirtschaft spürbar abkühlt.

    Der Arbeitsmarkt bleibt dagegen relativ stabil. Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 213.000

    Fazit Makro
    Die Makrodaten zeigen aktuell ein typisches Stagflationsrisiko:

    • Inflation bleibt stabil
    • Wachstum schwächt sich ab

    Diese Kombination erschwert schnelle Zinssenkungen.

    Marktstimmung

    Die Stimmung an den Märkten hat sich weiter eingetrübt.

    VIX: 27,19 – Angstniveau
    Put/Call-Ratio: 1,69 – starke Absicherung (konträr bullisch)
    Fear & Greed Index: 20 – Extreme Fear

    Damit befindet sich der Markt klar im Bereich erhöhter Risikoaversion.

    Fazit Stimmung
    Die Marktstimmung ist deutlich negativ. Historisch entstehen in solchen Phasen häufig kurzfristige Gegenbewegungen nach oben, sobald geopolitische Risiken nachlassen.

    Rohstoffe

    Die Rohstoffmärkte bleiben extrem volatil.

    Energie
    Ölpreis : > 100 USD
    ROC 5d / 1W: +9,9 %
    ROC 5d / 4W: +54,1 %

    Der Energiesektor reagiert direkt auf den Konflikt im Nahen Osten.

    Metalle
    Goldpreis 5d: –2,7 %
    Kupferpreis: deutlicher Rückgang
    ROC 5d / 1W: –6,2 %
    ROC 5d / 4W: –11,7 %

    Der Rückgang bei Kupfer deutet erneut auf steigende Konjunktursorgen hin.

    Fazit Rohstoffe
    Die Rohstoffmärkte zeigen aktuell ein klares geopolitisches Muster:

    • Energiepreise steigen stark
    • Industriemetalle fallen
    • Edelmetalle leiden unter Dollarstärke
    Öl hat einen Stand wie zu Beginn des Ukraine-Konflikts erreicht

    Technische Indikatoren

    Die technischen Indikatoren zeigen ein leicht überverkauftes Bild.

    RSI: 34,08
    Wilder RSI: 32,61

    Damit befindet sich der Markt bereits nahe eines kurzfristigen überverkauften Bereichs. Das spricht für mögliche kurzfristige Gegenbewegungen.

    Bitcoin

    Bitcoin zeigte sich zuletzt deutlich robuster als viele Aktienmärkte. Der Kurs liegt aktuell wieder über 70.000 USD. Trotz der geopolitischen Unsicherheit konnte sich Bitcoin stabilisieren und zeigte damit eine gewisse Resilienz gegenüber externen Schocks. Ein klares Trendwendesignal im Gesamtmarkt ist daraus jedoch noch nicht ableitbar.

    Ereignisse der Woche

    Die geopolitische Lage im Nahen Osten bleibt angespannt.

    Der Konflikt rund um Iran hat weiterhin direkte Auswirkungen auf die globalen Energiemärkte. Besonders die Situation rund um die Straße von Hormus bleibt ein zentraler Risikofaktor für die globale Ölversorgung.

    Die Märkte reagieren darauf mit steigenden Energiepreisen, erhöhter Volatilität und zunehmender Risikoaversion.

    Ausblick KW 12

    Wichtige Wirtschaftsdaten der kommenden Woche:

    Mittwoch, 18.03.2026
    Erzeugerpreisindex
    Fed Zinsentscheid, Erklärung zur Geldpolitik der FED
    FOMC Wirtschaftsprojektionen, Zinsprojektionen, FOMC Pressekonferenz

    16.-19. März 2026
    NVIDIA GTC (GPU Technology Conference) – Produktvorschau und Visionen

    Fazit

    Die Märkte stehen aktuell unter dem Einfluss mehrerer gleichzeitig wirkender Faktoren:

    • geopolitischer Energieschock
    • steigende Inflationserwartungen
    • schwächeres Wirtschaftswachstum

    Der S&P 500 befindet sich technisch in einer kritischen Entscheidungszone an der 200-Tage-Linie.

    Solange diese Unterstützung hält, bleibt die Bewegung eine Zwischenkorrektur innerhalb eines langfristigen Aufwärtstrends.

    Ein Bruch dieser Linie könnte jedoch eine neue Marktphase einleiten. Kurzfristig bleibt daher weiterhin mit erhöhter Volatilität zu rechnen.