Marktkompass KW 47/2025
Die Woche hatte alles: einen erwarteten Rebound, einen abrupten Schock durch ausfallende Inflationsdaten und einen erneuten Kampf um die 50-Tage-Linie. Das Gesamtbild bleibt angespannt.
Wie prognostiziert startete die Woche stark. Nach dem Rücksetzer der Vorwoche kam es am Montag zu einem kräftigen Rebound, der seinen Höhepunkt am Mittwoch fand. Technisch war die Marktphase überverkauft, die Stimmung tief im Angstbereich, und die Käufer nutzten das Momentum.
Der entscheidende Wendepunkt der Woche kam jedoch Donnerstag:
Das Bureau of Labor Statistics teilte mit, dass wegen des Government Shutdowns die CPI-Daten nicht veröffentlicht werden würden – vermutlich gar nicht mehr.
Damit fiel ein wichtiger Impulsgeber aus, zu einem Zeitpunkt, als der Markt überhitzt war, viele Investoren auf Klarheit im Inflationsbild gewartet hatten und die FED nun für Dezember ohne offizielle Preisdaten eine Entscheidung treffen muss. Der komplette Wochengewinn wurde daraufhin innerhalb eines Tages wieder ausgelöscht.
Dass der Fed im Dezember belastbare Daten fehlen, verstärkt die Unsicherheit. Historisch führt ein Mangel an Daten zu vorsichtigeren Entscheidungen und erhöhter Volatilität.
Trotzdem stabilisierte sich der Markt am Freitag erneut und schloss – wie bereits vorige Woche – über seiner 50-Tage-Linie. Das ist ein klares Zeichen dafür, dass der Aufwärtstrend weiterhin verteidigt wird.

Der VIX bei 19,83 zeigt Unruhe, aber noch keine Panik. Gleichzeitig signalisieren das Put/Call-Ratio von 2,28 und der Fear & Greed Index bei 22 deutliche Angst und hohen Absicherungsbedarf.
Bei den Rohstoffen gib es bei Kupfer und Öl kaum Veränderung zu Vorwoche, während Gold mit einem Wochenplus von 2 % erneut ein klares Risk-Off-Signal sendet.
Technisch gesehen zeigt der S&P 500 ein interessantes Bild in einem heißen Trend. Zweimal innerhalb von zwei Wochen fiel er unter die 50-Tage-Linie – und zweimal konnte er sie zurückerobern. Gleichzeitig bleibt der Abstand zwischen der 50er und der 200er Linie extrem groß. Das ist der Preis für den extremen Rallye-Schub seit dem „Liberation Day“ und signalisiert seit Monaten eine leichte Überhitzung.
Die 200-Tage-Linie bei rund 6150 Punkten bleibt die zentrale Marke. Sie entspricht dem Hoch aus dem Februar, das dem April-Abverkauf vorausging, und dient damit sowohl technisch als auch psychologisch als starke Unterstützung. Solange die Kurse darüber liegen, ist der Aufwärtstrend intakt. Selbst bei einer möglichen Zwischenkorrektur ist also genug Puffer vorhanden!
Bitcoin
Bei Bitcoin zeichnet sich ein wesentlich pessimistischeres Bild. Der Kurs steht an einem kritischen Punkt einer mehrjährigen Struktur. Seit dem Tief Ende 2023 bewegt er sich sauber im logarithmischen Aufwärtstrend. Jeder Rücksetzer wurde aufgefangen, jeder Dead Cross der letzten Jahre wurde durch starke Aufwärtsimpulse negiert.
Inzwischen haben die Kurse den Trendkanal nach unten verlassen – zum ersten Mal seit dem Aufbau dieses Musters. Gleichzeitig nähert sich zum vierten Mal ein Dead Cross, bei dem der 50-Tage-Durchschnitt die 200er-Linie von oben schneidet.

In der Vergangenheit war das kein Problem, da starke Impulse den Kurs wieder nach oben drückten. Aktuell fehlt dieses Momentum – auch aus dem klassischen Markt – das Bitcoin in den früheren Phasen stabilisiert hat.
Ein weiteres bärisches Signal ist der deutliche Abverkauf der Bitcoin-Treasuries wie MicroStrategy. Die Aktie dient häufig als Frühindikator für institutionelles Interesse an Bitcoin und zeigt aktuell klare Schwäche.
Um sich neu zu fangen, müsste Bitcoin rasch und kraftvoll über die 116.000 USD ausbrechen. Nur ein solches Signal könnte ihn zurück in den Trendkanal zwingen und die Chance auf ein neues Allzeithoch in absehbarer Zeit am Leben halten.
Noch hält sich Bitcoin, doch aktuell gibt es keine Impulse, die eine schnelle Trendwende unterstützen. Ein weiterer Abverkauf erscheint daher wahrscheinlicher.
Für die kommende Handelswoche wünsche ich allen viel Erfolg an der Börse.
