Marktkompass KW 51/2025

Marktphase

Der Markt verbleibt in Phase 2 – überhitzter Aufwärtstrend.
Im Vergleich zur Vorwoche hat sich das Bild leicht zugespitzt: Der S&P 500 steigt weiter, die Bewegung wirkt nun jedoch technisch klar überdehnt. Die Marktbreite liegt mit 63,4 % weiterhin im Aufwärtstrend und bestätigt die strukturelle Stärke, während die kurzfristigen Indikatoren zunehmende Überhitzung signalisieren.

Das Volumen bleibt mit einem Wochenvolumen-Index von 0,94 unterdurchschnittlich. Wie bereits in der Vorwoche ist das saisonal erklärbar: Dezember ist traditionell geprägt von Zurückhaltung, Positionsmanagement und abwartendem Verhalten institutioneller Akteure. Die Aufwärtsbewegung ist damit stabil, aber weiterhin nicht impulsiv.

Fazit: Der Trend ist intakt, aber anfällig. Rücksetzer wären technisch gesund und kein Trendbruch.

Marktphase
Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend
Stand: 2025-12-13

Liquidität und Geldpolitik

Die Geldpolitik bleibt der zentrale Treiber. Die Fed hat den Leitzins um –0,25 % gesenkt und damit offiziell in eine sanfte Lockerungsphase übergeleitet. Der aktuelle Zentralbankzins von 3,64 % wirkt weder restriktiv noch stimulierend, signalisiert jedoch eine klare Richtungsänderung.

Der 10Y/2Y-Spread liegt bei 0,67 und hat sich weiter ausgeweitet. Das spricht für einen gesunden Zinsmarkt und eine Entspannung der inversen Struktur. Die Dynamik (ROC) bleibt leicht bullisch.

Besonders relevant:
Die Fed beendet QT schrittweise und beginnt wieder, erste Anleihen zu kaufen. Zwar ist die Zentralbankbilanz noch nicht expansiv, doch der Übergang von restriktiv zu neutral ist eindeutig. Historisch ist genau diese Phase ein günstiges Umfeld für Risikoassets, jedoch mit zeitlicher Verzögerung. Dafür habe ich zur Veranschaulichung eine Grafik bereitgestellt:

Die Grafik zeigt die Entwicklung der Fed-Bilanz (WALCL, blau) sowie den standardisierten Z-Score (gelb) und dessen Veränderung (rot). Deutlich erkennbar: Phasen stark steigender Bilanz gehen mit expansiven Liquiditätsbedingungen einher, während rückläufige oder stagnierende Bilanzphasen restriktiv wirken. Aktuell flacht der restriktive Trend ab – ein Hinweis auf das schrittweise Ende von QT und den Übergang in ein neutraleres bis lockerndes Umfeld.

Kurz gesagt: Die Liquiditätsbremse wird gelöst – aber noch nicht durchgetreten.

Makroökonomie

Makroökonomisch zeigt sich keine Verschlechterung. Der Arbeitsmarkt bleibt stabil, ohne Überhitzung. Für die Fed ist das ideal: Sie kann lockern, ohne Glaubwürdigkeit zu verlieren. Das reduziert Rezessionsrisiken und stabilisiert die Markterwartungen.

Marktstimmung

Die Stimmung bleibt widersprüchlich – und genau das ist bullisch:

  • VIX: 15,74 – ruhiger Markt
  • Put/Call-Ratio: 2,02 – extreme Absicherung
  • Fear & Greed Index: 42 – weiterhin Angstzone

Kurse nahe Allzeithoch, geringe Volatilität, aber hohe Absicherung. Das zeigt: Anleger sind investiert, aber mental defensiv. Diese Kombination spricht gegen Euphorie und gegen ein finales Top.

Rohstoffe

Gold steigt im Wochenvergleich um +2,35 % und signalisiert weiterhin Absicherungsbedarf. Parallel dazu bleibt Kupfer im starken 4-Wochen-Aufwärtstrend (+13 %), ein klares Zeichen für robuste industrielle Nachfrage.

Öl ist leicht rückläufig, ohne konjunkturelle Aussagekraft. Insgesamt bleibt das Rohstoffbild konstruktiv und passt zu einem späten, aber funktionierenden Zyklus.

Technische Indikatoren

Die technische Lage bleibt bullisch, aber klar überhitzt. Der S&P 500 notiert weiterhin oberhalb der steigenden 50- und 200-Tage-Linie, der mittelfristige Trend ist damit intakt. Gleichzeitig nimmt das Momentum sichtbar ab.

Die letzte Tageskerze zeigt kein klassisches Bearish-Engulfing, signalisiert jedoch eine klare Ablehnung höherer Kurse. Käufer konnten das Niveau nicht verteidigen, Verkäufer gewinnen kurzfristig die Oberhand. In Verbindung mit dem stark überkauften RSI (RSI 72 / Wilder-RSI 85) erhöht sich die Wahrscheinlichkeit einer fortgesetzten technischen Korrektur.

Bärische letzte Tageskerze

Der Abstand zwischen 200er und 50-Tage-Linie ist weiterhin erhöht. Ein Rücklauf zum Bereich der 50-Tage-Linie (~6.760 Punkte) wäre technisch sauber, trendkonform und gesund. Diese Zone fungiert aktuell als natürlicher Magnet und potenzieller Stabilisierungspunkt innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrends.

Das Volumen bleibt unterdurchschnittlich und bestätigt den Charakter der Bewegung: keine Panik, sondern eine kontrollierte Abkühlung in einer saisonal ruhigen Marktphase. Erst ein dynamischer Bruch der 50-Tage-Linie mit steigendem Volumen würde das technische Gesamtbild spürbar eintrüben.

Fazit Technik:
Überhitzter Aufwärtstrend mit erhöhtem Korrekturbedarf – Struktur bleibt intakt, Momentum kühlt ab.

Bitcoin

Bitcoin bleibt technisch schwach. Das geringe Volumen und die fehlende Impulsivität sprechen nicht für eine nachhaltige Trendwende. Die aktuelle Erholung ist korrektiv.

Entscheidende Marken bleiben unverändert:
97.000 → 107.000 → 116.000 USD

Erst ein dynamischer Bruch über 116.000 würde den Bärenmarkt beenden und die Tür für neue Allzeithochs öffnen. Bis dahin bleibt Bitcoin anfällig für stärkere Schwankungen bei Marktrisiken. Ohne einen dynamischen Ausbruch über die genannten Widerstände bleibt das technische Risiko auf der Unterseite erhöht.

Ausblick kommende Handelswoche

Nach dem Fed-Entscheid verschiebt sich der Fokus klar von der Ankündigung zur tatsächlichen Umsetzung der Liquiditätspolitik. Entscheidend wird, ob sich die beginnende Lockerung zeitnah in den Finanzierungsbedingungen widerspiegelt – insbesondere bei Kreditspreads, Anleiherenditen und der Marktliquidität.

Makroseitig rücken zwei Datenpunkte in KW51 in den Vordergrund:

  • Dienstag: US-Arbeitsmarktdaten
  • Donnerstag: US-Verbraucherpreisdaten (Inflation)

Der Arbeitsmarkt liefert Hinweise, ob die Wirtschaft weiter ausreichend abkühlt, ohne in Schwäche zu kippen. Die Inflationsdaten werden darüber entscheiden, wie glaubwürdig der eingeleitete Lockerungspfad der Fed tatsächlich ist. Abweichungen von den Erwartungen können kurzfristig Volatilität auslösen.

Szenarien

  • Fortsetzung des Aufwärtstrends bei moderater Volatilität, sofern Arbeitsmarkt und Inflation das Bild einer kontrollierten Abkühlung bestätigen.
  • Kurzfristige technische Korrektur zur Entlastung der überkauften Lage

Beide Szenarien sind im aktuellen Marktumfeld normal und gesund. Entscheidend ist nicht die Richtung einzelner Tage, sondern ob Unterstützungszonen halten und Liquidität weiter in das System fließt.