Trends und Marktphasen

Die 50-30-20-Regel gilt als robustes Grundgesetz am Aktienmarkt:
50 % der Kursentwicklung kommen vom Gesamtmarkt,
30 % vom Sektor,
20 % vom Unternehmen selbst.

Damit ist klar:
Wer die Marktphasen versteht, investiert besser.

Über die Jahre habe ich ein automatisiertes Auswertungssystem entwickelt, das die zentralen Marktindikatoren objektiv misst, bewertet und damit alle Emotionen eliminiert. Es ordnet darüber hinaus den S&P 500 in sechs Trendphasen und eine Sonderphase ein, die für antizyklische Chancen steht. Jede Phase erhält ein eindeutiges Symbol, das du im wöchentlichen Marktkompass jeden Sonntag sofort wiedererkennst.

Im Folgenden zeige ich dir alle Phasen, die Kriterien – und wie man sie strategisch nutzen kann.

Phase 1 – Gesunder Aufwärtstrend

Bulle + grüner Punkt

Kriterien:

  • Kurs über 50- und 200-Tage-Linie
  • Abstand 50/200-Tage-Linie < 6 %
  • Marktbreite > 55 %
  • Trendkanal wird respektiert
  • Sentiment neutral bis leicht positiv
  • VIX ruhig (keine Stresssignale)

Interpretation:
Das ist der stabilste und sauberste Trend am Markt. Die Aufwärtsbewegung ist breit unterstützt, technisch gesund und fundamental unauffällig.

Strategischer Ansatz:

  • Sparpläne voll laufen lassen
  • Unterbewertete Qualitätsaktien kaufen
  • Investitionsquote hoch halten
  • Risiken klar definieren, aber entspannt bleiben

Diese Phase kann monatelang anhalten – oft der profitabelste Abschnitt des gesamten Marktzyklus.

Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend

Bulle + gelber Punkt

Kriterien:

  • Kurs oft oberhalb des Trendkanals
  • Abstand 50/200-Tage-Linie > 6 %
  • Marktbreite nimmt ab
  • RSI und ähnliche Indikatoren zeigen Übertreibung
  • Starke Momentum-Dynmaik, oft nach exogenen Schock

Interpretation:
Der Trend ist intakt, aber oft überdehnt. Wenige Schwergewichte ziehen den Markt hoch. Das Risiko für scharfe Gegenbewegungen steigt.

Strategischer Ansatz:

  • Sparpläne weiterlaufen lassen
  • Selektiv kaufen, aber vorsichtig
  • Übergewichtung ggf. abbauen
  • Cashquote moderat erhöhen
  • Enge Stopps bei kurzfristigen Trades

Diese Phase kann sich erstaunlich lange halten – besonders nach großen Trendwenden wie Corona oder nach politischen Schocks.

Phase 3 – Zwischenkorrektur

Bulle & Bär + gelber Punkt

Kriterien:

  • Kurs unter 50-Tage-Linie, aber über 200-Tage-Linie
  • Marktbreite gibt nach
  • Volumen steigt
  • Stimmung wird kurzfristig negativ

Interpretation:
Eine normale, gesunde Korrektur innerhalb eines intakten Aufwärtstrends.
Es liegt noch kein Trendbruch vor – eher ein Reset!

Strategischer Ansatz:

  • Sparpläne weiterlaufen lassen
  • Käufe verschieben, bis große Unterstützungen getestet wurden
  • Auf erhöhtes Volumen achten
  • Chartformationen wie Hammer, Morning Star, Doppelboden beachten
  • 200-Tage-Linie ist der entscheidende Halt

Oft erholt sich der Markt hier dynamisch – eine Zwischenkorrektur ist häufig die beste Kaufgelegenheit innerhalb eines Bullenmarkts.

Phase 4 – Schwächephase

Bulle & Bär + roter Punkt

Kriterien:

  • Kurs unter 200-Tage-Linie
  • Noch kein Dead-Cross
  • Marktstruktur beginnt zu bröckeln
  • Risiko steigt deutlich

Interpretation:
Der Markt sendet ein erstes Warnsignal. Der übergeordnete Aufwärtstrend ist gebrochen – aber der Abwärtstrend noch nicht bestätigt.

Strategischer Ansatz:

  • Sparpläne laufen lassen
  • Neue Investitionen zurückfahren
  • Cashquote aufbauen
  • Makrodaten stärker beachten

Diese Phase kann in zwei Richtungen kippen: Rebound zur 200-Tage-Linie – oder tieferer Abrutsch.

Phase 5 – Bestätigter Abwärtstrend

Bär + roter Punkt

Kriterien:

  • Kurs dauerhaft unter 200-Tage-Linie
  • Dead Cross bestätigt (50 unter 200)
  • Momentum negativ
  • Marktbreite bricht ein
  • Sentiment zunehmend ängstlich

Interpretation:
Jetzt ist der Trend klar abwärtsgerichtet. Trotzdem ist Vorsicht geboten:
Statistisch ist der Dead-Cross oft spät – viele Tiefs liegen zu diesem Zeitpunkt schon hinter uns.

Strategischer Ansatz:

  • Risikopositionen konsequent reduzieren
  • Qualitätsaktien beobachten, aber geduldig bleiben
  • Cashquote hoch
  • Auf Bodenbildungsprozesse achten
  • Extremwerte im Sentiment mit Vorsicht nutzen
  • Antizylische Käufe bereits möglich

Das ist für viele Anleger die härteste Phase, in der viele mit dem falschen Mindset kapitulieren und verkaufen. Es ist aber auch die Phase, die den Grundstein für die nächsten Aktienkäufe fundamental starker Unternehmen legt.

Phase 6 – Trendwende

Bulle & Bär + grüner Punkt

Kriterien:

  • Kurs wieder über der 200-Tage-Linie
  • Aber: noch kein Golden Cross
  • Marktbreite zieht an
  • Sentiment dreht ins Neutrale

Interpretation:
Der Markt stabilisiert sich. Die Trendwende nimmt Form an, auch wenn die 50-Tage-Linie noch unter der 200-Tage-Linie liegt.

Strategischer Ansatz:

  • Erste Positionen aufbauen
  • Qualitätswerte mit starker Bilanz bevorzugen
  • Schwächephasen kaufen
  • Golden Cross als Bestätigung abwarten

Diese Phase bietet oft das beste Chancen-Risiko-Verhältnis im neuen Zyklus.

Sonderphase – Antizyklische Kaufchance

Bär + grüner Punkt

Kriterien:

  • Kurs > 10 % unter 200-Tage-Linie
  • Sehr hohes Volumen (Kapitulation)
  • Extreme Volatilität
  • Fear & Greed < 10
  • Erste Bodenbildung sichtbar
  • RSI extrem überverkauft
  • Exogener Schock möglich (Panik, Liquidationen)
  • Ruckartiger Anstieg der Zentralbankbilanz

Interpretation:
Das ist das seltenste und lukrativste Signal – aber auch das riskanteste. Typische Auslöser sind Finanzkrisen, geopolitische/exogene Schocks, systemische Panik, Liquidationen.

Strategischer Ansatz:

  • Nur für erfahrene Investoren
  • Cashbestand gezielt einsetzen
  • Schwerpunkt auf Qualitätsaktien
  • Skalierte Käufe – nie „all-in“
  • regelmäßige Marktbeobachtung

Hier entstehen langfristig die größten Renditen – wenn man die Nerven behält. Diese Phase ist selten und dauert oft nur sehr kurz an. Sollte sie auftreten, kündige ich sie – sofern möglich – in einem Zwischenbericht an. Wer frühzeitig informiert sein möchte, kann meinen Newsletter abonnieren.

Beispielhafte Trendphasen im SP 500 – mit 50er, 200er und Trendkanal,
Sonderphasen bei Corona und Liberation Day

Fazit

Mein Trendphasenmodell zeigt klar, in welcher Marktumgebung wir uns befinden und welche Strategien sinnvoll sind. Es ist auch auf andere Märkte modifiziert übertragbar. Es reduziert Emotionen, erhöht die Objektivität und hilft, Chancen und Risiken früh zu erkennen. Wer den Markt im Kontext seiner Phase betrachtet und ihn emotionslos als System versteht, trifft bessere Entscheidungen und investiert langfristig erfolgreicher.

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