Marktkompass KW 33/2026

Kurzfazit der Woche

Der überhitzte Aufwärtstrend hat sich in KW 32 bestätigt und weiter gefestigt – Rekordhochs bei Dow, S&P 500 und Nasdaq, getragen von starker Berichtssaison und Nvidia-Rally. Der schwache Jobbericht vom Freitag sorgt jedoch für neue Unsicherheit bei der Fed-Zinserwartung und trieb Gold auf ein Wochenplus von über 7 %.

KW32 Starke Zuwächse in den Indizes, Gold erholt sich stark und Öl gibt wegen Hoffnung auf Entspannung ab
(heatmap finviz.com)

Markttreiber der Woche

  • Breite Risk-on-Rally auf mehreren Schultern: Dow, S&P 500 und Nasdaq markierten neue Rekordhochs, getragen von optimistischen Bessent-Kommentaren, starker Berichtssaison und einem charttechnischen Ausbruch des S&P 500.
  • Iran-Entspannung drückt Ölpreis: Hoffnungen auf eine Nahost-Entspannung dämpften die Risikoprämie und stützten die Rally zusätzlich.
  • Nvidia/Halbleiter-Rally vor Quartalszahlen: Nvidia legte binnen sieben Handelstagen fast 13 % zu – getrieben von China-Chiplizenz-Hoffnungen, Vera-Rubin-Fortschritten und dem SpaceX-Deal vor den Zahlen am 26.08.
  • Volatile Einzelwerte trotz starker Berichtssaison: 85 % der bisher gemeldeten S&P-500-Unternehmen übertrafen die Erwartungen, dennoch brachen AMD und SpaceX wegen KI-Guidance- bzw. Capex-Sorgen deutlich ein, wobei SpaceX einen starken Wochenabschluss hat.
  • Schwacher Jobbericht sorgt für Fed-Unsicherheit (07.08.): Nonfarm Payrolls -23.000 (Prognose: +80.000), Stundenlöhne mit +3,2 % YoY schwächer als erwartet – die Zinserwartung für September bleibt gespalten.
Breiter Anstieg des S&P 500. Verlierer sind Energie und Versorger. (Heatmap finviz.com)

Marktphase

Kurs/50-Tage %-Div (S&P 500): +3,40 % – Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div (S&P 500): +9,12 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
50/200-Tage %-Div: +5,73 % – stabiler Aufwärtstrend
RSI: 69,78 – leicht überkauft
Wilder-RSI: 66,81 – leicht überkauft
Marktbreite (% über 200 MA): 73,2 % – Aufwärtstrend
Trendkanal: Kurs oberhalb

Der positive Trend hat sich in KW 32 weiter verfestigt statt sich abzuschwächen. Sowohl RSI als auch Wilder-RSI signalisieren eine leichte Überkauftheit, ohne bereits ein Extremniveau zu erreichen. Die hohe Kurs/200-Tage-Divergenz von über 9 % mahnt weiterhin zur Vorsicht, während die breite Marktbeteiligung (73,2 % über der 200-Tage-Linie) den Aufwärtstrend fundamental stützt. Die Rally ist gegenüber der Vorwoche mehr in die Breite gegangen.

Marktphase
Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend
Stand: 2026-08-08

Liquidität & Geldpolitik

Die Fed-Bilanz stieg in der vergangenen Woche leicht um 0,15 % auf 6.748.567 Mio. USD, der Z-Score-Kombi kletterte von 0,11 auf 0,68 – ein spürbarer Anstieg der Liquiditätsdynamik. Der 10Y/2Y-Spread liegt bei 0,46 (gesunder Zinsmarkt), die Wochenveränderung von +8,25 % deutet auf eine leicht bullische Tendenz am Anleihemarkt hin.

FedWatch zeigt für die Sitzung am 16.09. aktuell 55,6 % Wahrscheinlichkeit für eine Zinspause gegenüber 44,4 % für eine Erhöhung – der Markt bleibt damit gespalten, mit leichter Präferenz für ein Halten.

Makroökonomie

Beschäftigung MoM: -1,45 % – antizyklisches Signal (AZKC)
Beschäftigung YoY: +19,93 % – unsichere Übergangsphase
Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 199.000, 4-Wochen-Trend -2,09 % – Arbeitsmarkt leicht stärker, stabil

Das Konjunkturbild in KW 32 war uneinheitlich. Der ISM Manufacturing PMI übertraf mit 55,6 die Erwartungen deutlich (Prognose: 54,0) und markiert den stärksten Wert seit Monaten – ein klares Expansionssignal für die Industrie. Der ADP-Bericht enttäuschte dagegen mit nur 44.000 neuen Stellen (Prognose: 70.000), und die Nonfarm Payrolls fielen mit -23.000 sogar negativ aus. Gleichzeitig bleibt die Inflation auf Jahressicht weiterhin hartnäckig erhöht. Dieses Spannungsfeld aus abkühlendem Arbeitsmarkt und Inflation auf höherem Niveau erschwert der Fed die Entscheidung für September zusätzlich.

Marktstimmung

VIX: 14,9 – ruhiger Markt
Put/Call-Ratio: 1,56 – Angst (antizyklisch bullisch)
Fear & Greed Index: 64 – Vorsicht (Greed)

Die Stimmung zeigt ein leicht widersprüchliches Bild: Der VIX notiert weiterhin niedrig und signalisiert Marktruhe, während der Fear-&-Greed-Index bereits Richtung Gier tendiert. Die erhöhte Put/Call-Ratio deutet auf verstärkte Absicherungsaktivität hin, was aus antizyklischer Sicht eher bullisch zu werten ist. In Kombination mit dem überkauften RSI ist jedoch Vorsicht geboten.

Rohstoffe

  • Gold: +7,21 % (5 Tage) – Risk OFF
  • Öl: stark rückläufig
  • Kupfer: knapp 2% Plus gegenüber der Vorwoche

Die deutliche Gold-Rally von über 7 % binnen einer Woche spiegelt die Verunsicherung nach dem schwachen Jobbericht sowie die anhaltende Fed-Unsicherheit wider – klassisches Risk-off-Verhalten trotz gleichzeitig steigender Aktienmärkte. Der Ölpreis gibt nach wirkt entlastend für die Inflation. Die Aufwärtsbewegung bei Kupfer spricht für eine robuste industrielle Nachfrage und steht im Kontrast zu den schwachen Arbeitsmarktdaten.

Technische Indikatoren

50/200-Tage MA (S&P 500): 444,21 – Aufwärtstrend
50/200-Tage %-Div: +5,73 % – stabiler Aufwärtstrend
Kurs/200-Tage %-Div: +9,12 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
Kurs/50-Tage %-Div: +3,40 % – Aufwärtstrend
RSI: 69,78 – leicht überkauft
Wilder-RSI: 66,81 – leicht überkauft
Wochenvolumen-Index (5/20): 1,03 – neutral
Trendkanal: Kurs oberhalb

Das technische Bild bleibt intakt bullisch, nähert sich aber überkauften Zonen. Das neutrale Volumenverhältnis deutet darauf hin, dass die jüngste Rally nicht von außergewöhnlich hohem Handelsvolumen getragen wird – ein Punkt, den es in den kommenden Wochen zu beobachten gilt. Die weiterhin hohe Kurs/200-Tage-Divergenz bestätigt die Überhitzung des übergeordneten Trends.

Bitcoin

Bitcoin notiert bei rund 65.000 USD und bewegt sich weiterhin in einer parallelen Seitwärtsbewegung – kaum Veränderung zur Vorwoche. Weder die Aktienmarkt-Rally noch die Gold-Stärke haben bislang einen Ausbruch aus der etablierten Handelsspanne ausgelöst.

Ausblick

In KW 33 rückt die Inflation in den Fokus: Am Mittwoch (12.08.) wird der Verbraucherpreisindex veröffentlicht – angesichts der gespaltenen FedWatch-Erwartungen (55,6 % Pause vs. 44,4 % Erhöhung) dürfte dieser Termin richtungsweisend für die Zinserwartungen zur September-Sitzung sein. Am Freitag (14.08.) folgen Retail Sales und der Michigan Consumer Sentiment Index, die Aufschluss über die Konsumentenlage nach dem schwachen Jobbericht geben werden.

Fazit

Der überhitzte Aufwärtstrend hat sich in KW 32 weiter gefestigt, getragen von starker Berichtssaison, Nvidia-Rally und breiter Marktbeteiligung. Gleichzeitig mehren sich die Warnsignale: überkaufte technische Indikatoren, ein schwacher Jobbericht und eine kräftige Gold-Rally deuten auf zunehmende Nervosität hin. Mit hartnäckig erhöhter Jahresinflation bei gleichzeitig abkühlendem Arbeitsmarkt bleibt die Fed in einer Zwickmühle – die CPI-Daten am Mittwoch dürften in KW 33 die entscheidenden Weichen stellen.

Grundlage für diesen Bericht ist mein automatisiertes Auswertungssystem, welches ich auf YouTube genauer erkläre.