Marktkompass KW 28/2026
Kurzfazit der Woche
Nach der Zwischenkorrektur in der Vorwoche ist der Markt zurück im überhitzten Aufwärtstrend: S&P 500, Dow und DAX markieren neue Hochs, die Marktbreite steigt auf 67,6 %, obwohl der Chip-Sektor unter Druck ist. Gleichzeitig lieferte der Arbeitsmarkt mit den Nonfarm Payrolls die schwächste Zahl seit Monaten – ein Befund, der die Fed-Debatte neu entfacht, vom Markt aber (noch) als gute Nachricht gefeiert wird.

Markttreiber der Woche
1. Rückkehr in den überhitzten Aufwärtstrend:
Die Zwischenkorrektur aus KW26/27 ist erstmal ausgestanden. Kurs/50-Tage-Divergenz (+1,18 %) und Kurs/200-Tage-Divergenz (+7,22 %) zeigen wieder klaren Aufwärtsdruck, die Marktbreite steigt auf 67,6 % über der 200-Tage-Linie auf ein robustes Niveau.
2. Schwacher US-Arbeitsmarktbericht dämpft Zinssorgen:
Ein schwächer als erwarteter Juni-Jobreport ließ Erwartungen an eine baldige Fed-Zinserhöhung schwinden. Das stützt aktuell den Risikoappetit trotz der neuen restriktiveren Fed unter Kevin Warsh.
3. KI-Bewertungsangst belastet Chipwerte:
Massive Divergenz im Tech-Sektor. Die Chipwerte fielen erneut, da Anleger hinterfragten, ob der KI-Optimismus die Bewertungen über ein vernünftiges Maß hinausgetrieben hat
4. Rohstoff-/Sicherheitsflucht-Signale:
Gold und Silber deutlich fester, während Agrarrohstoffe (Rindfleisch, Sojaöl) unter Druck stehen und Energie (Rohöl WTI -0,65%) leicht nachgibt. Ein Zeichen einer Rotation in Absicherungswerte bei gleichzeitig risikofreudiger Aktienmarktstimmung.

Marktphase
- Kurs/200-Tage (S&P 500): +7,22 % – Aufwärtstrend, Vorsicht geboten
- Kurs/50-Tage (S&P 500): +1,18 % – klar oberhalb der 50-Tage-Linie
- RSI (S&P 500): 56,51 – neutral
- Wilder RSI: 62,93 – neutral, Richtung überkauft
- 50/200-Tage %-Divergenz: +6,04 % – leichte Blasenbildung
- Marktbreite (% über 200MA): 67,6 % – Aufwärtstrend
- Trendkanal: Kurs oberhalb
Die Marktphase kippt zurück in den überhitzten Aufwärtstrend. Der Kurs liegt sowohl über der 50- als auch deutlich über der 200-Tage-Linie, die Marktbreite ist breit gestützt und nicht auf wenige Megacaps konzentriert. Die 50/200-Divergenz von 6,04 % deutet dabei bereits auf eine gewisse Überhitzung hin, ohne dass bereits ein Warnsignal für einen unmittelbaren Bruch vorliegt.
Stand: 2026-07-04
Liquidität & Geldpolitik
- Zentralbankbilanz Fed: 6.724,6 Mrd. USD (01.07.) – leicht rückläufig zur Vorwoche (6.735,6 Mrd.)
- Z-Score-Kombi: −0,09 – von positiv auf leicht negativ gedreht
- 10Y/2Y Spread: 0,35 – gesunder Zinsmarkt
- 10Y/2Y Spread Veränderung (5D): −1,02 % – neutral, Einengung verlangsamt sich
- FedWatch (Zinserwartung für Sitzung 29.07.): 78,1 % unverändert, 21,9 % Zinserhöhung
Die Liquiditätslage bleibt angespannt-neutral: Die Fed-Bilanz schrumpft leicht, der Z-Score-Kombi dreht erstmals seit Wochen ins Negative. Positiv: Die Markt-Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung am 29. Juli ist von 30 % auf 21,9 % gefallen. Die schwachen Arbeitsmarktdaten der Woche haben hier klar nachgeholfen. Der Zinsstrukturspread bei 0,35 bleibt gesund und stabilisiert sich nach der Einengung der Vorwoche.
Makroökonomie
Arbeitsmarkt:
- Nonfarm Payrolls: 57.000 (erwartet 110.000, vorherige 172.000) – deutlicher Fehlschlag
- ADP Employment Change: 98.000 (erwartet 113.000) – ebenfalls schwächer
- Durchschnittliche Stundenlöhne: 3,5 % wie erwartet
- Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 215.000 – 4-Wochen-Trend: −0,04 %, leicht stärker, stabil
Der Arbeitsmarkt zeigt in dieser Woche das deutlichste Abkühlungssignal seit Monaten. Die Nonfarm-Payrolls ist der schwächste Wert in der jüngeren Datenreihe und dürfte die Debatte um die künftige Fed-Politik unter Warsh weiter befeuern. Gleichzeitig bleiben die wöchentlichen Erstanträge stabil.
Marktstimmung
- VIX: 15,81 – ruhiger Markt
- Put/Call-Ratio: 1,77 – Angst (bullisches Kontraindikator-Signal)
- Fear & Greed Index: 32 – Fear-Bereich
Der VIX auf 15,81 signalisiert einen ruhigen, unaufgeregten Markt. Interessant bleibt der Kontrast zur Put/Call-Ratio von 1,77: Absicherungen bleiben gefragt, obwohl der Markt neue Hochs anläuft. In Kombination mit dem Fear & Greed Index von 32 zeigt sich eine Marktstimmung, die dem Kursverlauf hinterherhink. Das ist ein klassisches antizyklisches Signal, das eher für Fortsetzung als für eine unmittelbare Topbildung spricht.
Rohstoffe
- Gold: 4.113,82 USD, +2,35 % zur Vorwoche – trotz Kennzeichnung „Risk OFF“ fester
- Öl: leicht rückläufig
- Kupfer: leicht positiv
Das Rohstoffbild ist gemischt: Gold zieht trotz „Risk-off“-Kennzeichnung deutlich an – eine Absicherung, die parallel zur Aktienrally läuft und die defensive Grundstimmung aus der Put/Call-Ratio widerspiegelt. Öl setzt seinen massiven Abwärtstrend fort und wirkt weiterhin disinflationär, was der Fed Spielraum gibt. Kupfer stabilisiert sich zwar kurzfristig.
Technische Indikatoren
- 50/200-Tage MA (S&P 500): Differenz 451,84 – Aufwärtstrend
- 50/200-Tage %-Divergenz: +6,04 % – leichte Blasenbildung
- Kurs/200-Tage: +7,22 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
- Kurs/50-Tage: +1,18 % – Aufwärtstrend
- RSI: 56,51 – neutral
- Wilder RSI: 62,93 – neutral, Richtung überkauft
- Wochenvolumen-Index (5/20): 0,89 – schwaches Volumen
Technisch ist der Markt zurück im klaren Aufwärtstrend, allerdings weiterhin mit Anzeichen von Überhitzung: Die 50/200-Divergenz von 6,04 % sowie die Kurs/200-Tage-Divergenz von 7,22 % deuten auf einen Markt hin, der sich strukturell weit von seinem langfristigen Durchschnitt entfernt hat. Das spiegelt auch das Kursbild und der Trendkanal wider. Das schwache Wochenvolumen (0,89) relativiert die Rally etwas, denn die Bewegung wird nicht von breiter institutioneller Beteiligung getragen, sondern wirkt eher wie eine ruhige, wenig überzeugte Fortsetzung des Trends.

Bitcoin
Bitcoin notiert bei 62.500 USD und hat sich damit von der kritischen 60.000er-Marke weiter gelöst. Die Marke von 60.000 USD hält weiterhin, die Gegenbewegung nach oben ist jedoch noch nicht nachhaltig bestätigt. Bitcoin bewegt sich damit im Einklang mit der insgesamt risikofreudigen, aber nicht euphorischen Marktstimmung. Es bleibt abzuwarten, ob sich das Jahreszeitenmodell bis Oktober bestätigt.
Ausblick
Die kommende Woche KW28 ist datentechnisch ruhiger, aber nicht unwichtig:
Montag, 06.07.: ISM Einkaufsmanagerindex (EMI) Dienstleistungen: nach dem leichten Fehlschlag im verarbeitenden Gewerbe wird hier ein Blick auf den deutlich größeren Dienstleistungssektor entscheidend sein.
Mittwoch, 08.07.: FOMC-Protokoll: nach der schwachen Payrolls-Zahl dürfte das Protokoll genau daraufhin durchleuchtet werden, wie die Fed unter Warsh die aktuelle Abkühlung am Arbeitsmarkt einordnet und ob sich die gesunkene Zinserhöhungswahrscheinlichkeit bestätigt.
Fazit
Der Markt ist zurück im überhitzten Aufwärtstrend, getragen von einer breiten Marktbreite und einer Fed, die durch die schwachen Arbeitsmarktdaten zusätzlichen Rückenwind bekommt. Gleichzeitig mehren sich erneut die Anzeichen einer gewissen technischen Überdehnung: hohe Divergenzen zu den gleitenden Durchschnitten, schwaches Volumen und eine Stimmungslage, die trotz neuer Hochs defensiv bleibt. Abzuwarten bleibt, ob der Halbleitersektor seine Korrektur weiter fortsetzt und ob das Kapital in Rotation bleibt.
Die entscheidende Variable bleibt der Arbeitsmarkt: Sollte sich die Abkühlung in den kommenden Wochen fortsetzen, dürfte die Fed unter Warsh trotz seines „Regimewechsel“-Anspruchs kaum Spielraum für eine Zinserhöhung haben. Die 21,9-Prozent-Wahrscheinlichkeit für den 29. Juli wird zur Messlatte für die weitere Entwicklung im Sommer.
Grundlage für diesen Bericht ist mein automatisiertes Auswertungssystem, welches ich auf YouTube genauer erkläre.