Marktkompass KW 29/2026

Kurzfazit der Woche

Die Nahost-Eskalation und die daraus resultierende Ölpreisrally haben Europas Börsen durchgeschüttelt, während sich der US-Markt robust zeigt und die Marktphase sich weiterhin im überhitzten Aufwärtstrend befindet. Die Marktbreite bleibt mit 67,2 % solide, doch Öl und FedWatch-Daten zeigen: Die Inflationsdebatte ist zurück.

US-Tech hat noch mal Selektiv angezogen, besonders Halbleiter. Energie stark wegen Nahost-Eskalation. Marktbreite bleibt stabil.

Markttreiber der Woche

1. Nahost-Eskalation treibt Ölpreise:
Nach dem Scheitern der Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran griffen US-Streitkräfte iranische Ziele an. Washington hob zudem die Ausnahmegenehmigung für iranische Ölexporte auf. WTI stieg 4,4 % auf 73,52 USD, Brent sprang 5,2 % auf 78,02 USD. In den Futures zeigt sich das bei Crude Oil Brent (+5,39 %), WTI (+3,96 %) und Heizöl (+11,66 %).

2. Europa im Risk-off-Modus:
Der EURO STOXX 50 brach um 1,82 % auf 6.204,91 Punkte ein – der stärkste Tagesverlust seit über zwei Monaten. Der VIX schoss kurzfristig hoch, die 10-jährige Bundesanleihe stieg um 5 Basispunkte auf 2,99 %, und der Markt preist nun 38 statt zuvor 25 Basispunkte für eine EZB-Zinserhöhung im Dezember ein. Wochenbilanz: DAX -2,88 %, Euro Stoxx 50 -2,34 %.

3. US-Tech/KI-Rally hält dagegen:
Meta Platforms sprang rund 6 % und lieferte mit knapp 15 % die beste Wochenperformance seit Anfang 2024, gestützt durch eine bestätigte Kaufempfehlung von Bank of America und ein internes Memo zur verbesserten KI-Kostenstruktur. Nvidia (+8,28 %) und Broadcom (+10,96 %) zogen mit, während Google (-0,76 %) und Intel (-8,73 %) schwächelten.

4. Divergenz zwischen US- und Europa-Indizes:
Trotz Nahost-Risiko notiert der VIX-Future bei -5,29 % – ein Zeichen relativer US-Robustheit. S&P 500 (+1,22 %) und Nasdaq 100 (+1,61 %) stehen einem schwachen DAX/Euro Stoxx gegenüber, die stärker unter Zoll- und Zinssensitivität leiden.

5. Agrarrohstoffe im Ausnahmezustand:
Kaffee (+10,97 %), Kakao (+20,43 %), Sojabohnen (+4,88 %) und Mais (+3,90 %) legen deutlich zu, während Orangensaft (-16,71 %) einbricht – angebots- bzw. wetterbedingte Sonderbewegungen losgelöst vom geopolitischen Hauptthema.

Öl und Agrarrohsoffe steigen deutlich, Divergenz bei Euro- und US-Indizes

Marktphase

  • Kurs/200-Tage (S&P 500): +8,06 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
  • Kurs/50-Tage (S&P 500): +1,88 % – klar oberhalb der 50-Tage-Linie
  • RSI (S&P 500): 57,34 – neutral
  • Wilder RSI: 60,82 – neutral
  • 50/200-Tage %-Divergenz: +6,18 % – leichte Blasenbildung
  • Marktbreite (% über 200MA): 67,2 % – Aufwärtstrend
  • Trendkanal: Kurs oberhalb

Die Marktphase ist weiterhin im überhitzten Aufwärtstrend. Kurs/50-Tage und Kurs/200-Tage-Divergenz zeigen klaren Aufwärtsdruck, die Marktbreite bleibt mit 67,2 % breit gestützt statt nur auf wenige Megacaps konzentriert. Die 50/200-Divergenz von 6,18 % signalisiert dabei bereits eine gewisse Überhitzung, ohne dass ein akutes Bruchsignal vorliegt.

Marktphase
Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend
Stand: 2026-07-12

Liquidität & Geldpolitik

  • Zentralbankbilanz Fed: 6.735,6 Mrd. USD (08.07.) – Anstieg von +0,16 % zur Vorwoche
  • Z-Score-Kombi: +0,53 – von leicht negativ auf deutlich positiv gedreht
  • 10Y/2Y Spread: 0,35 – gesunder Zinsmarkt
  • 10Y/2Y Spread Veränderung (5D): +15,48 % – Markt preist erwartete Wachstumsverbesserung ein
  • FedWatch (Zinserwartung für Sitzung 29.07.): 65,8 % unverändert, 34,2 % Zinserhöhung

Die Liquiditätslage dreht leicht: Die Fed-Bilanz wächst wieder, der Z-Score-Kombi springt von negativ auf positiv. Gleichzeitig steigt die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 29. Juli von zuletzt 21,9 % auf 34,2 %. Die Ölpreisrally und das FOMC-Protokoll („Höhere Zinsen, wenn Inflation oben bleibt“) lassen die Inflationssorgen zurückkehren. Der Zinsstrukturspread bleibt mit 0,35 gesund.

Makroökonomie

  • Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 215.000
  • Erstanträge 4-Wochen-Trend: -0,03 % – Arbeitsmarkt leicht stärker, stabil

Der Arbeitsmarkt zeigt sich weiterhin stabil auf niedrigem Niveau. Im Vergleich zur schwachen Nonfarm-Payrolls-Zahl der Vorwoche liefern die aktuellen Erstanträge keine neuen Alarmsignale, sondern bestätigen eine leichte Verbesserung im Trend.

Marktstimmung

  • VIX: 15,03 – ruhiger Markt
  • Put/Call-Ratio: 2,27 – extreme Angst (antizyklisches Signal)
  • Fear & Greed Index: 49 – neutral (Hold)

Der VIX bleibt trotz der Nahost-Eskalation niedrig und signalisiert einen ruhigen Markt. Auffällig ist die Put/Call-Ratio von 2,27 – ein Wert extremer Angst, der klassisch als antizyklisches Signal zu werten ist, während der Fear & Greed Index mit 49 neutral bleibt. Diese Diskrepanz zwischen Absicherungsverhalten und Gesamtstimmung spricht eher für Fortsetzung des Aufwärtstrends als für eine unmittelbare Topbildung.

Rohstoffe

  • Gold: 4.101,24 USD, -0,31 % (5 Tage) – trotz „Risk ON“-Kennzeichnung leicht rückläufig
  • Öl : durch Eskalation wieder stark angestiegen.
  • Kupfer: leichter Anstieg zur Vorwoche

Das Rohstoffbild bleibt uneinheitlich: Gold gibt kurzfristig leicht nach, trotz „Risk-on“-Einstufung. Öl springt aufgrund des Nahost-Konflikt wieder an und spielt gegen die Inflationserwartungen. Kupfer als Industrieindikator liegt im Wochenvergleich wieder leicht um Plus und spricht für Wachstumserwartungen.

Technische Indikatoren

  • 50/200-Tage MA (S&P 500): Differenz 467,99 – Aufwärtstrend
  • 50/200-Tage %-Divergenz: +6,18 % – leichte Blasenbildung
  • Kurs/200-Tage: +8,06 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
  • Kurs/50-Tage: +1,88 % – Aufwärtstrend
  • RSI: 57,34 – neutral
  • Wilder RSI: 60,82 – neutral
  • Wochenvolumen-Index (5/20): 0,76 – schwaches Volumen

Technisch bestätigt sich der überhitzte Aufwärtstrend: Die Kurs/200-Tage-Divergenz von 8,06 % ist gegenüber der Vorwoche weiter gestiegen und deutet auf eine zunehmende Entfernung vom langfristigen Durchschnitt hin. RSI und Wilder-RSI bleiben neutral, ohne akutes Überkauft-Signal. Das schwache Wochenvolumen von 0,76 relativiert die Bewegung erneut – die Rally wird weiterhin nicht von breiter institutioneller Beteiligung getragen.

Große Divergenzen in den Durchschnittslinien und Kurs oberhalb des Trendkanals sprechen für Überhitzung

Bitcoin

Bitcoin notiert bei 64.000 USD und bewegt sich weiterhin in einer Parallelbewegung ohne Ausbruch nach oben. Die kritische Marke von 60.000 USD wird weiterhin gehalten, was für eine grundsätzlich stabile, aber richtungslose Lage spricht – passend zur insgesamt nicht euphorischen Marktstimmung. Es bleibt abzuwarten, ob das Jahreszeitenmodell eingehalten wird und das Tief noch vor uns liegt. Siehe dazu auch mein Video über Bitcoin.

Ausblick

Die kommende Woche KW29 rückt die Inflationsdaten in den Fokus:

Dienstag, 14.07.: Verbraucherpreise (CPI) – nach der Ölpreisrally und dem FOMC-Hinweis auf mögliche Zinserhöhungen bei anhaltend hoher Inflation dürfte diese Zahl entscheidend dafür sein, ob die gestiegene FedWatch-Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung (34,2 %) Bestand hat.

Mittwoch, 15.07.: Erzeugerpreise (PPI) – als Frühindikator für die Verbraucherpreisentwicklung liefert dieser Wert zusätzlichen Kontext, insbesondere mit Blick auf die gestiegenen Energiekosten.

Das sind die größten Treiber der Woche.

Fazit

Der Markt befindet sich weiterhin im überhitzten Aufwärtstrend, getragen von einer soliden Marktbreite und einer weiterhin robusten US-Tech-Rally, während Europa unter der Nahost-Eskalation und steigenden Zinserwartungen leidet. Die zentrale Frage der kommenden Woche ist, ob die Ölpreisrally die US-Inflationsdaten am Dienstag und Mittwoch tatsächlich nach oben treib. Der Sprung der FedWatch-Wahrscheinlichkeit von 21,9 % auf 34,2 % zeigt, dass der Markt diesem Risiko bereits vorsichtig Rechnung trägt.

Die entscheidende Variable bleibt damit die Inflation: Sollten CPI und PPI die durch die Ölpreise gestiegenen Kosten bestätigen, dürfte die Fed trotz stabiler Arbeitsmarktdaten wenig Spielraum für weitere Lockerung haben. Die 34,2-Prozent-Wahrscheinlichkeit für den 29. Juli wird damit zur Messlatte für die kommenden Wochen. Vorsicht ist auch geboten, da die breite institutionelle Unterstützung fehlt.

Grundlage für diesen Bericht ist mein automatisiertes Auswertungssystem, welches ich auf YouTube genauer erkläre.