Marktkompass KW 31/2026

Kurzfazit der Woche

Die Zwischenkorrektur setzt sich fort und vertieft sich leicht: Der Kurs hat sich weiter von der 50-Tage-Linie nach unten gelöst, RSI und Wilder-RSI drehen erstmals seit Wochen in den überverkauften Bereich. Parallel bleibt der Ölpreis durch die Nahost-Eskalation der Hauptbelastungsfaktor, während der Big-Tech- und Tesla-Ausverkauf sowie starke Agrarpreise das Wochenbild prägen – der Blick richtet sich nun auf den Fed-Entscheid und die PCE-Daten kommende Woche.

Sorgen über hohe KI-Investitioinen führen in KW30 zu starken Abverkäufen bei Big-Tech

Markttreiber der Woche

  1. Erneuter Ölpreisschock durch eskalierende Nahost-Krise: Angriffe auf Öltanker und anhaltende Störungen an der Straße von Hormus treiben Öl stark nach oben – das System erkennt den geopolitischen Schock.
  2. Big-Tech-Ausverkauf wegen KI-Investitionsausgaben- und Cashflow-Sorgen: Alphabet meldet erstmals seit dem Börsengang einen negativen freien Cashflow und hebt die Investitions-Prognose 2026 deutlich an – Meta, Amazon und Microsoft werden deswegen von Investoren ebenso abgestraft.
  3. Tesla-Kurssturz nach enttäuschenden Q2-Zahlen: Verfehlte Gewinnerwartungen und negativer Cashflow lösen einen der stärksten Einzeltages-Abverkäufe der Aktie in diesem Jahr aus.
  4. Suche nach sicheren Hafen trotz Öl-Rally: Gold legt in der Woche um +1,29 % zu – moderat, aber intakt, trotz des parallelen Ölpreisanstiegs ein Zeichen für erhöhte Absicherungsnachfrage.
  5. Agrarrally durch Hitzewelle und China-Kaufhoffnungen: Hitzestress in den US-Anbaugebieten und Spekulationen über neue chinesische Sojakäufe treiben Mais und Sojabohnen deutlich an.
Öl-Schock als Haupttreiber von KW30

Marktphase

  • Kurs/200-Tage (S&P 500): +5,48 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
  • Kurs/50-Tage (S&P 500): -0,81 % – Abwärtstrend
  • RSI: 38,88 – leicht überverkauft
  • Wilder-RSI: 43,57 – leicht überverkauft
  • 50/200-Tage %-Divergenz: +6,29 % – leichte Blasenbildung
  • Marktbreite (% über 200MA): 66,8 % – Aufwärtstrend
  • Trendkanal: Kurs oberhalb

Die Zwischenkorrektur vertieft sich: Lag der Abstand zur 50-Tage-Linie in KW30 noch nahe null, notiert der Kurs jetzt mit -0,81 % klar darunter. RSI und Wilder-RSI kippen erstmals seit längerem in den leicht überverkauften Bereich – ein Hinweis darauf, dass die Korrektur an Fahrt gewinnt statt auszulaufen. Die Marktbreite bleibt mit 66,8 % zwar noch solide, ist aber gegenüber der Vorwoche (68,2 %) leicht rückläufig. Die 50/200-Divergenz verharrt bei +6,29 % – die mittelfristige Überhitzung ist also weiterhin nicht abgebaut, obwohl der kurzfristige Trend jetzt spürbar nachgibt.

Marktphase
Phase 3 – Zwischenkorrektur
Stand: 2026-07-25

Fortsetzung der Zwischenkorrektur, Abstand zur 50er Linie vergrößtert

Liquidität & Geldpolitik

  • Zentralbankbilanz Fed: 6.747,38 Mrd. USD (22.07.) – +0,06 % zur Vorwoche
  • Z-Score-Kombi: 0,47 – weiterhin positiv, leicht rückläufig zur Vorwoche (0,50)
  • Zentralbankbilanzen-Score: 33,54 – restriktiv → abflachend, aber nicht expansiv
  • 10Y/2Y Spread: 0,36 – gesunder Zinsmarkt
  • 10Y/2Y Spread ROC (5D/1W): -7,14 % – leicht bärisch
  • Fed-Leitzins: 3,63 % – neutral, kein Zinsschritt
  • FedWatch (29.07.): 65,8 % Zinsen bleiben, 34,2 % Zinsen steigen – Nahost-Konflikt und hohe Ölpreise treiben Inflationssorgen

Die Liquiditätslage bleibt insgesamt stabil, verliert aber etwas an Dynamik: Die Fed-Bilanz wächst nur noch minimal, der Z-Score-Kombi bröckelt leicht. Der Score für die Zentralbankbilanzen rutscht insgesamt leicht nach unten – geschuldet ist das vor allem Japan und der Euro-Zone. Entscheidend ist die Wende bei den Zinserwartungen gegenüber KW30 – während vor einer Woche eine Fed-Pause praktisch eingepreist war, ist die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung am 29.07. durch den erneuten Ölpreisschub wieder auf 34,2 % gestiegen. Der 10Y/2Y-Spread-ROC dreht ebenfalls ins Bärische, was zur insgesamt vorsichtigeren Zinsmarktstimmung passt.

Seit Anfang des Jahres 26 ist ein leichter Anstieg der Zentralbankbilanz in den USA zu verzeichnen.

Makroökonomie

  • Beschäftigung MoM: +0,04 % – schwaches Wachstum
  • Beschäftigung YoY: +0,32 % – unsichere Übergangsphase
  • Erstanträge Arbeitslosenhilfe: 187.000, 4-Wochen-Trend -12,92 % – Arbeitsmarkt leicht stärker, stabil
  • S&P Global Services PMI: 53,6 (erwartet 51,0, Vorwoche 51,2) – deutlich über Erwartung
  • S&P Global Manufacturing PMI: 53,8 (erwartet 54,5, Vorwoche 53,9) – leicht unter Erwartung

Ein gemischtes Makrobild: Die Erstanträge zeigen einen soliden, sich weiter verbessernden Arbeitsmarkt, während das Beschäftigungswachstum selbst schwach bleibt. Die PMI-Daten liefern ein widersprüchliches Signal: starke Dienstleistungsdynamik, aber schwächeres Industriewachstum als erwartet – passend zum Bild einer Konjunktur, die sich stabilisiert, aber nicht gleichmäßig.

Marktstimmung

  • VIX: 18,58 – leichte Unsicherheit
  • Put/Call-Ratio: 1,54 – Angst (antizyklisches Signal, bullisch)
  • Fear & Greed Index: 39 – Hold (Fear)

Die Stimmungslage bleibt nahezu unverändert zur Vorwoche: Der VIX pendelt weiter im Bereich leichter Unsicherheit, ohne Anzeichen einer Panikphase. Die Put/Call-Ratio von 1,54 zeigt weiterhin Angst im Optionsmarkt – klassisch antizyklisch und damit tendenziell bullisch zu werten. Der Fear & Greed Index rutscht mit 39 leicht tiefer in Richtung Angst, was zur vertieften Zwischenkorrektur passt, aber noch keine extreme Verunsicherung anzeigt.

Rohstoffe

  • Gold: 4.045,68 USD, KW30: +1,29 % – neutral
  • Öl (USO): ROC 5D/1W +5,23 %, ROC 5D/4W +28,57 % – Geopolitischer Schock
  • Kupfer: 14.560,84, ROC 5D/1W +1,25 %, ROC 5D/4W +2,09 % – Aufwärtstrend leicht

Öl bleibt der dominante Rohstofftreiber der Woche: Der Preis (USO) liegt binnen vier Wochen fast 29 % höher, klar durch die Nahost-Eskalation getrieben. Gold zeigt sich diesmal – anders als in der Vorwoche – wieder etwas fester und stützt damit These des sicheren Hafens. Kupfer als Konjunkturbarometer legt leicht zu, was gegen eine unmittelbare Wachstumssorge spricht.

Technische Indikatoren

  • 50/200-Tage MA (S&P 500): 466,28 – Aufwärtstrend
  • 50/200-Tage %-Divergenz: +6,29 % – leichte Blasenbildung
  • Kurs/200-Tage %-Div: +5,48 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
  • Kurs/50-Tage %-Div: -0,81 % – Abwärtstrend
  • RSI: 38,88 – leicht überverkauft
  • Wilder-RSI: 43,57 – leicht überverkauft
  • Wochenvolumen-Index (5/20): 0,91 – schwaches Volumen
  • Trendkanal: Kurs oberhalb

Technisch bestätigt sich die fortschreitende Korrektur: Der Kurs hat sich mit -0,81 % klar unter die 50-Tage-Linie bewegt, nachdem er sie in KW30 nur angetestet hatte. RSI und Wilder-RSI kippen in den leicht überverkauften Bereich – ein erstes Signal für eine mögliche Stabilisierung, aber noch kein Entwarnungssignal. Die 50/200-Divergenz bleibt mit 6,29 % erhöht, die mittelfristige Überhitzung ist also weiterhin vorhanden. Das schwache Wochenvolumen deutet erneut auf fehlende breite institutionelle Beteiligung an der Abwärtsbewegung hin – ein Hinweis auf Rotation statt Panikverkäufe.

Bitcoin

Bitcoin notiert bei 64.000 USD und bleibt weiterhin in einer reinen Parallelbewegung ohne Ausbruch – die Seitwärtsphase aus KW30 setzt sich unverändert fort. Auch angesichts der vertieften Aktienkorrektur zeigt Bitcoin keine erhöhte Volatilität oder Anzeichen einer Verkaufswelle.

Ausblick

Die kommende Woche bringt zwei zentrale Ereignisse: Am Mittwoch, 29.07., folgen die Erklärung zur Geldpolitik der Fed, der Zinsentscheid sowie die FOMC-Pressekonferenz – angesichts der gestiegenen FedWatch-Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung (34,2 %) ein möglicher Volatilitätstreiber. Am Donnerstag, 30.07., folgen mit der Kernrate der PCE-Preise, dem BIP-Wachstum (annualisiert) und dem PCE-Preisindex weitere Schlüsseldaten zur Inflations- und Wachstumsentwicklung. Beide Termine dürften zeigen, ob sich die Fed vom Ölpreisschock beeindrucken lässt oder an ihrem neutralen Kurs festhält.

Fazit

Die Zwischenkorrektur vertieft sich in KW30: Der Kurs hat sich weiter von der 50-Tage-Linie gelöst, RSI und Wilder-RSI drehen erstmals in den überverkauften Bereich. Der Ölpreisschock durch die Nahost-Eskalation bleibt der dominante Treiber und sorgt gleichzeitig für steigende Zinserhöhungswahrscheinlichkeiten – ein direkter Gegenpol zur entspannteren Zinserwartung aus der Vorwoche. Der Big-Tech- und Tesla-Ausverkauf sowie die Agrarrally rundenden das Bild einer selektiven, aber sich verbreiternden Korrektur ab.

Die Marktbreite bleibt mit 66,8 % noch intakt, das schwache Wochenvolumen spricht weiterhin gegen einen breiten, panikartigen Ausverkauf. Entscheidend für die kommenden Wochen wird der Fed-Entscheid am 29.07.: Sollte die Notenbank angesichts der ölgetriebenen Inflationsrisiken restriktiver signalisieren als erwartet, dürfte dies die technische Schwäche zusätzlich verstärken. Die erhöhte 50/200-Divergenz und der Kurs oberhalb des Trendkanals mahnen weiterhin zur Vorsicht.

Grundlage für diesen Bericht ist mein automatisiertes Auswertungssystem, welches ich auf YouTube genauer erkläre.

Mein Automatisiertes Auswertungssystem für Ende KW30