Marktkompass KW 23/2026

Kurzfazit der Woche

Der Markt läuft auf Hochtouren: KI-Infrastruktur explodiert, Energie gibt nach, und SmallCaps legen zu – klassische Risk-On-Signale. Der Aufwärtstrend setzt sich fort, aber der Kurs notiert weiter deutlich oberhalb des langfristigen Trendkanals. Das Bild bleibt bullisch und überhitzt zugleich.

Futures KW22 – Stark sinkener Ölpreis und fallende Agrarrohstoffpreise senken Inflationsdruck

Markttreiber der Woche

1. KI-Infrastruktur – die zweite Welle rollt
Oracle, Micron, AMD und Broadcom legten in KW 22 stark zu. Der Markt spielt nicht mehr einzelne Stars, sondern den gesamten Infrastrukturzyklus – Rechenzentren, Speicher, Chips, Netzwerk. Das ist eine gesündere Grundlage für eine anhaltende Rally als eine Einzelaktien-Story.

2. Fallende Anleiherenditen stützen Technologiebewertungen
Der 10Y/2Y Spread notiert bei 0,47 – stabil und gesund. Anleihenrenditen sind gesunken. Weniger Renditedruck am langen Ende bedeutet weniger Diskontierungsdruck auf zukünftige Gewinne. In einem Umfeld hoher KI-Bewertungen ist das ein Stabilitätsfaktor.

3. Energiepreise unter Druck – Inflationsentlastung
Der Ölpreis (USO) fiel in der Vorwoche –5,4 % und im 4-Wochen-Vergleich sogar –9,8 %. Das entlastet die Inflationserwartungen deutlich und gibt der Fed weniger Grund zur Restriktivität. Für den Konsum und die Unternehmensmarge ein positives Signal.

4. Risk-On-Rotation: SmallCaps steigen, Defensive gibt ab
Wenn SmallCaps outperformen und defensive Konsumwerte zurückfallen, ist das ein klares Zeichen: Das Kapital sucht Risiko, nicht Sicherheit. Dieser Stil-Wechsel bestätigt die bullische Marktstruktur der laufenden Woche.

Abverkauf bei Energie und Defensive Konsumgüter. NVIDIA gibt ab, andere KI-Werte profitieren

Marktphase

  • Kurs / 200-Tage (S&P500): +9,88 % – Aufwärtstrend, erhöhte Distanz
  • Kurs / 50-Tage (S&P500): +6,88 % – Aufwärtstrend, mit Vorsicht
  • RSI (S&P500): 68,11 – leicht überkauft
  • Wilder RSI: 70,59 – überkauft
  • 50/200-Tage %-Divergenz: +3,0 % – stabiler Aufwärtstrend

Der Markt befindet sich weiterhin in einem überhitzten Aufwärtstrend. Der S&P 500 notiert fast 10 % oberhalb seines 200-Tage-Durchschnitts und liegt klar außerhalb des langfristigen Trendkanals. Historisch ist das ein Niveau, das sich selten dauerhaft hält. Die Richtung stimmt – aber der Abstand mahnt zur Vorsicht.

Der Kurs des S&P500 liegt klar über dem aktuellen Trendkanal

Der RSI hat sich gegenüber der Vorwoche leicht entspannt (von 71 auf 68), bleibt aber im überkauften Bereich. Kein Rückgang aus dem Warnsegment, nur eine kleine Atempause. Der Wilder-RSI notiert dagegen mit 70,6 weiterhin klar überkauft.

Marktphase
Phase 2 – Überhitzter Aufwärtstrend
Stand: 2026-05-31

Liquidität & Geldpolitik

10Y/2Y Spread: 0,47 – gesund
10Y/2Y Spread Veränderung (5D): –4,9 % – leicht bärisch
Zentralbankbilanz Fed: 6,704 Bio. USD (27.05.), leicht rückläufig
Z-Score-Kombi: –0,20 – leicht negativ
Zentralbankzins Fed: 3,62 % – neutral
Nächste Fed-Sitzung (17.06.): 99,3 % Wahrscheinlichkeit für unveränderte Zinsen

Die Geldpolitik sendet gemischte Signale. Der Zinsstruktur ist mit einem Spread von 0,47 konstruktiv – keine Invertierung, kein Rezessionssignal. Allerdings dreht der Spread leicht nach unten, was erste vorsichtige Beobachtung rechtfertigt.

Die Fed-Bilanz ist in der Vorwoche leicht gesunken. Kein aggressives Quantitative Tightening, aber auch kein Rückenwind durch neue Liquidität. Der Z-Score-Kombi bleibt im leicht negativen Bereich – die Zentralbankliquidität stützt nicht mehr aktiv. Der FedWatch-Markt preist für den 17. Juni mit 99,3 % stabile Zinsen ein.

Makroökonomie

Arbeitsmarkt:

  • Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe: 215.000 (23.05.)
  • 4-Wochen-Vergleich: +0,06 % – neutral
  • Beschäftigung YoY: +0,16 % – schwaches Wachstum, unsichere Übergangsphase

Der Arbeitsmarkt hält sich stabil, ohne eigene Impulse zu setzen. Kein Warnsignal, aber auch kein Wachstumstreiber. Die leicht steigende Tendenz bei den Erstanträgen verdient Beobachtung.

Inflationszahlen waren vergangene Woche sowohl in den USA als auch Deutschland leicht besser als erwartet.

Marktstimmung

  • VIX: 15,32 – ruhiger Markt, entspannt
  • Put/Call-Ratio: 1,47 – neutral, leicht gesunken
  • Fear & Greed Index: 60 – Greed-Bereich, leicht erhöht

Die Marktstimmung hat sich im Vergleich zur Vorwoche kaum verändert – und das ist positiv zu werten. Der VIX ist von 16,7 auf 15,3 gefallen, was signalisiert: Der Markt ist ruhiger geworden, ohne in blinde Euphorie verfallen zu sein. Die Put/Call-Ratio bleibt moderat erhöht, was auf eine gewisse Resilienz und weiterhin vorhandene Absicherungsbereitschaft hindeutet. Keine Überkapitulation, kein Panikverkauf – aber auch keine Sorglosigkeit.

Rohstoffe

  • Gold: 4.537 USD (+0,09 % zur Vorwoche) – stabile Konsolidierung auf Rekordhoch
  • Öl (USO): 129,09 USD (–5,40 % zur Vorwoche) – stark rückläufig
  • Kupfer: 16.513 USD (+2,87 % zur Vorwoche) – starker Aufwärtstrend

Das Rohstoffbild liefert diese Woche ein klares Signal: Kupfer – traditionell ein Barometer für globale Industrienachfrage – setzt seinen starken Aufwärtstrend fort und signalisiert Wachstumsoptimismus. Der Ölpreisrückgang senkt gleichzeitig den Inflationsdruck. Das ist eine ungewöhnlich günstige Kombination: Wachstumszuversicht ohne Energiepreisschock.

Gold hält sein Niveau auf rekordverdächtigen 4.537 USD – kein Risk-Off-Ausbruch, aber auch keine Aufgabe der Bullenposition. Das Metall fungiert weiter als stille Reserve, nicht als Alarmsignal.

Technische Indikatoren

  • 50/200-Tage MA (S&P500): Differenz 227,34 – Aufwärtstrend
  • 50/200-Tage %-Divergenz: +3,0 % – stabiler, leicht ausgeweiteter Aufwärtstrend
  • Kurs / 200-Tage: +9,88 % – erhöhte Distanz, Vorsicht
  • Kurs / 50-Tage: +6,88 % – Aufwärtstrend, Vorsicht
  • RSI: 68,11 – leicht überkauft
  • Wilder RSI: 70,59 – überkauft
  • Wochenvolumen-Index (5/20): 0,94 – schwaches Volumen

Die Trendstruktur ist intakt und sogar leicht stärker als in der Vorwoche: Die Divergenz zwischen 50- und 200-Tage-Linie hat von 2,41 % auf 3,0 % zugelegt. Das goldene Kreuz bleibt bestehen, der Abstand wächst – strukturell ein positives Zeichen.

Der problematische Part: Volumen und RSI. Das Handelsvolumen bleibt mit einem 5/20-Verhältnis von 0,94 unterdurchschnittlich – der Anstieg wird nicht durch starke Kaufaktivität getragen. Der Kurs läuft zunehmend in einem Bereich, der historisch selten nachhaltig ist: fast 10 % über dem 200-Tage-Durchschnitt. Das ist kein Verkaufssignal, aber ein Zeichen, dass der Markt wenig Fehlertoleranz hat.

Bitcoin

Bitcoin notiert aktuell bei 73.800 USD und zeigt sich im Vergleich zu den Aktienmärkten ausgesprochen schwach. Während S&P 500 und Nasdaq neue Höhen erklimmen und der Risk-On-Modus im Aktienmarkt klar erkennbar ist, bleibt Bitcoin deutlich hinter seiner früheren Stärke in solchen Phasen zurück. Das ist ein bemerkenswertes Divergenzsignal: Entweder handelt der Aktienmarkt voraus und Bitcoin holt auf – oder der Kryptomarkt signalisiert eine nachlassende Risk-Appetite im spekulativen Segment. Ein möglicher Grund dieser Divergenz könnte sein, dass Technik-Unternehmen aus dem KI-Umfeld sehr starke Kursgewinne haben und als Risk-On-Assets mehr Gewinnerwartungen mit sich bringen, als Bitcoin. Dieses Thema verdient Beobachtung in den kommenden Wochen, vor allem wäre eine mögliche Rotation interessant, sollte es es zu einer Abkühlung dieser bereits stark gelaufenen Unternehmen kommen.

Ereignisse KW 23

Montag, 01.06.
Fed-Chef Powell spricht – die erste Wortmeldung nach dem starken Wochenausklang. Der Markt wird genau hinhören, ob Powell den Rückgang des Ölpreises und das verbesserte PCE-Bild kommentiert.
ISM Manufacturing PMI USA – erster Frühindikator für den industriellen Sektor im Juni.

Dienstag, 02.06.
Eurozone Verbraucherpreise – nach dem überraschend niedrigen deutschen CPI wird mit weiterem Rückgang der Eurozone-Inflation gerechnet. Relevant für EZB-Kurs.

Mittwoch, 03.06.
ADP Employment Change – Privatwirtschaft voraus, bevor Freitag die offizielle Zahl kommt.
ISM Einkaufsmanagerindex (Services) – Stimmungsindikator im Dienstleistungssektor.

Freitag, 05.06.
Nonfarm Payrolls + Stundenlöhne – das Highlight der Woche. Ein starker Arbeitsmarkt bei hoher Inflation zwingt die Fed zur Passivität. Ein schwacher Wert könnte Zinssenkungsfantasien beflügeln.

Fazit

Die technischen Indikatoren und die Marktstimmung mahnen zur Vorsicht – nicht zum Ausstieg. Der Aufwärtstrend ist real, aber er läuft auf hohem Niveau und mit dünnem Volumen. Die Makrodaten – insbesondere die hartnäckige Inflation lassen der Fed wenig Spielraum. Zinssenkungen bleiben ein Thema für Herbst oder Winter, wenn überhaupt.

Die entscheidende Frage für KW 23: Kann der Arbeitsmarktbericht (Freitag) die KI-getriebene Rally erneut bestätigen – oder liefert er eine Überraschung, die den überhitzten Markt kurz aus dem Tritt bringt? Bei einem RSI von 70 und einem Kurs weit oberhalb des Trendkanals wäre eine technische Korrektur jederzeit möglich, ohne den Aufwärtstrend zu brechen.

Grundlage für diesen Bericht ist mein automatisiertes Auswertungssystem, welches ich hier auf Youtube genauer erkläre.